Effi & Miki immer dabei - Einblick in die KinderGärtnerei aus der Steiermark

28.11.17 Effi & Miki immer dabei - Einblick in die KinderGärtnerei aus der Steiermark

Stolz trägt jedes Kind seinen eigenen Kürbis nach Hause. Der stammt aus der KinderGärtnerei.

Jedes Kind nimmt seinen eigenen Kürbis mit nach Hause. Gesät wurden sie vor dem Sommer und schon bald nach Schulbeginn im Herbst werden die Kinder mit ihrer Ernte aus der KinderGärtnerei belohnt. "Mich freut es, wie die Kinder im Garten werkeln und die strahlenden Kinderaugen zu sehen." ist Robert Blachfellner begeistert. Er ist Initiator und Obmann der KinderGärtnerei in Sankt Michael in der Steiermark und stellt 2,5 Hektar Grund für Gemüsebeete, Beerensträucher und Glashäuser zur Verfügung. 2012 feierte die KinderGärtnerei ihren Geburtstag.

Mit ins Spiel kam die Wald- und Kräuterpädagogin Judith Nestler, die seither die KinderGärtnerei als pädagogische Leiterin betreut und auch Leiterin des Waldgartens Tripstrü in Kraubath ist.
Schulgruppen aus der Volks- und Neuen Mittelschule St. Michael sowie aus anderen Gemeinden kommen in die KinderGärtnerei und pflegen die Beete. Je nach dem welche Arbeit im Jahreskreislauf anfällt, bindet Judith Nestler die Kinder in die Gartenarbeit ein.

Im Frühjahr werden Asiasalate gesät, die sind lässig, weil sie schnell wachsen.  Kartoffel werden in Töpfen vorgezogen und im Mai ausgesetzt. Brokkoli, Zucchini, Karotten, Fenchel, Salate aller Art und Küchenkräuter werden angebaut und selbst geerntet. ."Wir sind total kreativ und behelfen uns mit Säzeiten, Fliesabdeckungen und dem Glashaus, um die Ernte zu verfrühen. So haben die Kinder bereits vor Schulschluss eine Ernte." erzählt Judith Nestler. Kochen am Feuer ist für die Kinder immer ein Hit. Oft wird die Ernte auch in der Küche des an die KinderGärtnerei angrenzenden Gasthauses Blachfellner verkocht und gleich verspeist.

Lernen mit Weitblick

Mit jedem Kürbis, mit allerlei Gemüse, mit den verschiedensten Beeren und Kräutern lernen die Kinder eine Menge über die Natur und für ihr Leben. Vorgänge in der Natur erleben die Kinder unmittelbarer und sie lernen natürliche Kreisläufe kennen. Oder ganz einfach, dass Karotten aus der Erde und nicht aus dem Supermarkt kommen, dass Regenwürmer eigentlich sehr nützlich und nicht gruselig sind. Die Natur hält einfach bereit, was es für die Entwicklung der Kinder braucht.

Gemeinsam gießen sie Beete und übernehmen Verantwortung. Im Garten entdecken sie auch ihre Vorlieben. Manche Kinder toben sich aus und haben jede Menge Energien, wenn sie den Komposthaufen umschaufeln. Andere wiederum säen lieber die kleinen Samen in den Säreihen aus. Jedes Kind lernt über sich und seine Begabungen, über die Zusammenarbeit in der Gruppe und mit der Natur. "Der Garten ist ein Ort der Vielfalt. Bei unseren ersten Schritten im Garten muss nichts perfekt sein, alles hat Zeit sich zu entwickeln." so Robert Blachfellner.

Naturnahe lernen die Kinder die Bedürfnisse der jeweiligen Pflanzen kennen, achten darauf, wann sie zu gießen sind, wie die Erde beschaffen sein soll, ob die Pflanzen Schatten bevorzugen oder viel Sonne brauchen. Sie lernen, wie mit guter Pflege schmackhaftes Obst und Gemüse wächst und dass so jemand wie der Kartoffelkäfer von den Blättern geklaubt werden muss, um den Kartoffeln nicht zu schaden. "Die Kinder, die schon vom Kindergarten an bei uns sind, denken anders. Sie verstehen die Zusammenhänge in der Natur viel besser." bemerkt Judith Nestler.

Effi und Miki

Sowohl die Arbeit mit Kindern also auch die Arbeit im Garten verlangt Weitblick und Behutsamkeit. So arbeitet Judith Nestler im Sinne der biologischen Kreislaufwirtschaft. Klar, dass da auch die Effektiven Mikroorganismen mit dabei sind. "Wir müssen noch Effi und Miki holen." sind sich schon die Vierjährigen aus dem Kindergarten einig und geben dem Gießwasser EM-Aktiv bei oder besprühen ein geknicktes Blatt mit einer EM-Mischung, damit die Wunde schneller heilt.

Zu Jahresbeginn bildet Judith Nestler mit den Kindern einen Kreis und erzählt ihnen, welche Aufgaben Effektive Mikroorganismen im Garten haben. Eine große Hilfe ist ihr dabei das Buch "Effi und Miki in der Schule" von Toni und Matthias Ithaler. Beim darauf folgenden Humustag lernen die Kinder, mit Erde, Humus und Kompost zu arbeiten und begreifen, welch wichtige Grundlage gesunde Böden für unsere Nahrung sind.

"In der KinderGärtnerei kommen einfache EM-Anwendungen zum Einsatz. Wir verwenden EM-Aktiv, Urgesteinsmehl und Keramikpulver." Beim Gießen ist EM-Aktiv regelmäßig dabei und so helfen die Effis und Mikis, dass die Pflanzen schön wachsen und vor Mehltau und Fäulnis geschützt sind. Mit EM-Keramikpulver werden zum Beispiel die Saatreihen vormarkiert und ebenso die Löcher, in die die Kinder Jungpflanzen setzen.

In Kraubath bokashiert Judith Nestler Rasenschnitt: "Wir lassen das Schnittgut liegen und antrocknen, schichten es dann zu einem Haufen, die Kinder streuen Urgesteinsmehl darüber und besprühen ihn mit EM-Aktiv. Sie haben eine Riesenfreude dabei, wenn sie den Haufen festtreten. Um Kondenswasser zu vermeiden, lassen wir den Haufen noch 3 - 4 Tage offen liegen und schließen ihn dann luftdicht ab. So erhalten wir wunderschönen Mulch, den die Kinder zu den Gemüsekulturen und Sträuchern streuen."

Das Projekt trägt Früchte

Die Begeisterung ist ansteckend. Das Projekt KinderGärtnerei erfährt viel positive Resonanz und wächst über sich hinaus. Mittlerweile wurden Schulgärten in der Volks- und Neuen Mittelschule St. Michael angelegt, ebenso in der Volksschule Traboch und Volksschule Seegraben Leoben sowie in der Neuen Mittelschule in Trofaiach. Im Kindergarten Leoben-Donawitz und im Seniorenheim Leoben-Göß gibt es Hochbeete. Judith Nestler und ihr Team sind einsatzbereit, wenn für die Gartenarbeit Unterstützung gebraucht wird. "Für alle Schulgärten haben wir Obst- und Gemüsesorten so gewählt, dass die Ernte nicht in die Sommerferien fällt. Frühe Ribisel und späte Himbeeren gehen sich super aus." berichtet sie. Auch in den Schulküchen wird die eigene Ernte verkocht. Erntedank im Herbst ist in der KinderGärtnerei und an den Schulen ein Riesenfest.

Praxisnaher Unterricht

"Wir haben einen eigenen Schulgarten mit vier Beeten. Von der ersten Klasse werden zwei Hochbeete betreut. Die Beerenschnecke ist bei allen Kindern sehr beliebt. Darüber hinaus nützen wir auch die KinderGärtnerei." erzählt Michaela Pansi, Lehrerin an der Neuen Mittelschule St. Michael: "Ich sehe eine enorme Entwicklung der Kinder im Umgang mit der Natur und ich kann das Wissen, das die Kinder aus der Gartenarbeit mitbringen, gut in den Unterricht integrieren."

In Geografie wird gelernt, was wo wächst und mit dem Gemüse im Schulgarten verglichen. Wenn es in Biologie um das Wetter geht, haben die Kinder sofort einen Bezug dazu. Sie bemerken, wie viel es regnen muss, damit sich in der Regentonne vor der Schule genügend Gießwasser für den Garten sammelt. Damit wird den Kindern auch der Wasserverbrauch bewusster.

Zusammen mit Judith Nestler erarbeitet Michaela Pansi ein Konzept, mit dem die Arbeit anhand eines Gartentagebuchs noch nachhaltiger in den Unterricht eingebaut wird. "Über den praktischen Bezug lernen die Kinder in den Unterrichtsfächern viel besser." Und es geht um Eigenverantwortung. Denn wer zu Aufgaben eingeteilt ist, muss die Ärmel aufkrempeln und zum Beispiel in der Früh die Pflanzen gießen. Für 2018 plant Michaela Pansi eine WhatsAp -Gruppe zur Arbeitseinteilung und Ferienbetreuung des Schulgartens.

Sogar im Unterrichtsfach Englisch trägt die Gartenarbeit erste Früchte. Die NMS St. Michael hat mit einem EU-Projekt eine Partnerschule in England. Dort erzeugen rund 600 Schülerinnen und Schüler Gemüse für ihre Schulküche. Über die Ländergrenzen hinweg via Skype tauschen die Kids bereits ihre Gartenerfahrungen aus. Auf Englisch und Deutsch soll eine Website mit Gartentipps entstehen und für die nächsten beiden Schuljahre ist ein gegenseitiger Besuch geplant.

Ausblick

Mit all dem Erfahrungsschatz aus der KinderGärtnerei, gibt es nun den Wunsch, Lehrer und Lehrerinnen zur Arbeit mit Kindern in Schulgärten auszubilden. Robert Blachfellner: "Wir möchten viele Lehrer und Lehrerinnen für den Unterricht im Garten motivieren. Als Ergänzung zum Regelunterricht machen wir damit den Kindern ein großes Geschenk für ihr Leben. Unsere Kinder und die biologische Bewirtschaftung unserer Umwelt sind ganz wichtige Zukunftsthemen."

www.gartenkinder.at

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