Wachsendes Vertrauen, das Früchte trägt - Ulrike und Lukas Hader im Gespräch

15.03.19 Wachsendes Vertrauen, das Früchte trägt - Ulrike und Lukas Hader im Gespräch

Obst und Gemüse ohne Rückstände von Pestiziden. Fleisch ohne Spuren von Antibiotika. Mit dem Multikraft-System ist man bei der rückstandsfreien Produktion von Lebensmitteln auf der sicheren Seite. Multikraft ist Österreichs Pionier und weltweit einer der Marktführer im Bereich Effektiver Mikroorganismen: ein wichtiger Partner für landwirtschaftliche und gärtnerische Betriebe wie auch private Haushalte.

Das oberösterreichische Familienunternehmen hat weitere Standorte in Italien, Australien und in der Schweiz, ist in 35 Ländern aktiv und exportiert rund 50 % seines Umsatzes. Die stetig steigende Nachfrage führte zur Erweiterung des Firmensitzes – dem Stumpflhof in Pichl bei Wels.
Im Sommer 2017 rollten die Bagger an. In einer siebenmonatigen Bauphase wurden Produktion, Lager- und Logistikhalle sowie Büroräumlichkeiten vergrößert. Ein eigener Gartenpavillon für Besucher und Veranstaltungen ist hinzugekommen.

Albert Schweitzer sagte: „Vertrauen ist für alle Unternehmungen das Betriebskapital, ohne welches kein nützliches Werk auskommen kann.“ Welche Rolle spielt Vertrauen in der Firmengeschichte von Multikraft?

Ulrike Hader: Wesentlich ist für uns seit Anfang an das Vertrauen in beste Qualität. Umgekehrt können unsere Kunden darauf vertrauen, dass wir diese Qualität beständig liefern können. Das war uns in den 1980er Jahren mit der Produktion von antibiotikafreien Futtermitteln genauso ein großes Anliegen wie heute mit der EM-Produktion, die auf höchstem Qualitätsmanagement beruht.

Lukas Hader: Mit der Erweiterung unseres Standortes haben wir natürlich großes Vertrauen, dass unsere Produkte in Zukunft noch viel wichtiger werden, als sie es jetzt schon sind. Das zeigt uns die Nachfrage der letzten zehn Jahre, an der wir sehen, dass Lebensmittelsicherheit, Antibiotikafreiheit und Rückstandsfreiheit für die Menschen immer wichtiger werden. Genau daran arbeiten wir. Es wird in den nächsten zehn Jahren hoffentlich einen guten Übergang geben vom bestehenden System hin zu rückstandsfreier Lebensmittelproduktion.

Wie hat sich die Nachfrage nach ökologischen Alternativen und damit nach dem Multikraft-System entwickelt?

Ulrike Hader: Mit der EM-Technologie haben wir 1997 in der Futtermittelschiene begonnen. Es stellten sich rasch positive Erfolge in der Tierhaltung ein. In weiteren Schritten vertrauten wir darauf, die EM-Produktpalette auch für andere Branchen weiterentwickeln zu können. Mir war bewusst, dass wir uns nicht allein im Tierhaltungssektor bewegen dürfen. Zu den Anwendungsbereichen im Ackerbau und in der Kompostierung kamen bald schon der große Bereich Garten- und Gemüsebau sowie die Reinigungsmittel hinzu. Unsere EM-Produkte wurden zunehmend populärer und die Nachfrage entwickelte sich entsprechend.

Lukas Hader: Im Jahr 1997 hatten wir mit Effektiven Mikroorganismen kaum Umsatz zu verzeichnen, heute kommen 95 % aus dieser Sparte. Dabei hatten wir immer eine Umsatzentwicklung nach oben. Gerade im Bereich der Futtermittel standen wir vor gravierenden Veränderungen der Marktsituation. Es gibt immer weniger Bauern, Fleisch ist kaum mehr kostendeckend zu produzieren. Aufgrund dieser Marktsituation sind unsere Umsätze von klassischen Futtermitteln zurückgegangen. Diesen Rückgang haben wir allein mit dem Aufbau der EM-Sparte kompensiert. Im Vergleich zu 1997 verzeichnen wir heute einen rund dreifachen Umsatz. 1997 hatten wir zwölf Angestellte, heute sind es knapp fünfzig.

Multikraft ist ein attraktiver Arbeitgeber in der Region. Für die Mitarbeiter wurden die Büro- und Pausenräumlichkeiten erweitert. Worauf wurde besonders geachtet?

Ulrike Hader: Auch uns ist es wichtig, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen. Wir haben ausreichend Platz geschaffen, sodass Arbeitsabläufe zeitschonend abgewickelt werden können. Zudem haben wir unsere frühere 300 m² große Logistikhalle umgewandelt und darin Garderoben, Duschen, Aufenthaltsräume und eine Betriebsküche installiert. Darüber hinaus gibt es einen Ärzteraum, in dem zweiwöchentlich auch Massagen angeboten werden.
Lukas Hader: Wir haben auch in diesem Bereich viel investiert. Es wird täglich ein gesundes Bio-Mittagessen gekocht, das für unsere Mitarbeiter kostenlos ist. In der Mittagspause trifft sich das ganze Team jeden Tag. Das fördert das Miteinander und den Austausch sowie auch die Gesundheit der Mitarbeiter. Wirtschaftlich wird sich dies nie abbilden lassen, wir sind allerdings überzeugt, dass es allen etwas bringt. Unsere Mitarbeiter schätzen es sehr.

Mit der Erweiterung des Stumpflhofes wurde Platz für weiteres Wachstum geschaffen. Welche Vorteile bringt die Erweiterung für die Produktion und Logistik mit sich?

Lukas Hader: Die Produktions- und Abfüllleistung lässt sich durch den Ausbau von früher 20.000 auf 50.000 Liter pro Tag steigern. Diese Spitzenkapazität brauchen wir für einige Wochen im Jahr. Im März startet unsere Hauptsaison für die wir unsere Produkte vorproduzieren. Die Vorproduktion beginnt nur einige Wochen zuvor. Wir füllen unsere Lagerkapazität auf und liefern innerhalb kurzer Zeit frische Produkte an unsere Kunden. In unserer Hauptsaison von Anfang März bis Ende Juni müssen all unsere Produkte tagesaktuell verfügbar sein, kommissioniert und verschickt werden können.
2018 verlief die ganze Hauptsaison ohne Logistik- und Zeitprobleme und ohne dass Kunden mehr als 24 Stunden bzw. größere Kunden mehr als 48 Stunden warten mussten, bis das gewünschte Produkt das Haus verließ. Wir haben in der Kommissionierung fünfmal mehr Platz als früher, in der Abfüllung ist mindestens der vierfache Platz geschaffen worden. In der Logistik haben wir die dreifache Kapazität an Palettenplätzen verfügbar. Das ist ein Riesenvorteil.

Ulrike Hader: Durch die Erweiterung sind sämtliche Abläufe verbessert worden, der Produktionsfluss läuft wesentlich optimaler als früher.

 

Vom 0,1-Liter-Fläschchen bis zum 1000-Liter-Bag-in-Box-System reichen die Gebindegrößen in der Lagerhalle. Großgebinde kommen vor allem in den Bereichen Landwirtschaft und Gartenbau zum Einsatz. Welchen Stellenwert hat das Multikraft-System für die Rentabilität und den Erhalt der Betriebe?

Lukas Hader: Unser großes Ziel ist die Rückstandsfreiheit sowohl von Antibiotika im Fleisch als auch von Pestiziden in der restlichen Lebensmittelproduktion. Die meisten unserer Kunden arbeiten konventionell und da alle unsere Produkte biologisch angemeldet sind, können sie sich darauf verlassen, damit bei richtiger Anwendung rückstandsfrei produzieren zu können.
Rückstandsfreie Produktion ist nicht nur eine Floskel, sondern wird sehr genau beobachtet. Immer mehr Initiativen und Konsumentenschutzvereine führen Messungen durch und für große Handelsketten gibt es kein größeres Problem, als mit Rückständen in den Regalen aufgedeckt zu werden.
Durch diese Problematik oder Chance – je nachdem wie man es sieht – wird der Druck auf unsere Bauern noch größer. Wenn ein Gemüse- oder Schweinebauer Lebensmittel produziert und darin Rückstände gefunden werden, die er vielleicht nicht einmal selbst verschuldet hat, verliert er nicht nur seine Einkünfte aus der Ernte, sondern muss auch noch für die Entsorgung zahlen.
Der Vorteil der Multikraft-Technologie ist, dass es keine Rückstände gibt und sie circa gleich viel kostet wie konventionelle Methoden. Sie funktioniert in vielen Bereichen genauso gut und oftmals besser. Tierhalter, Acker- und Gemüsebaubetriebe haben damit eine Chance, den Kriterien der Rückstandsfreiheit in Zukunft gerecht zu werden. In den nächsten Jahren wird die Rückstandsfreiheit zum Standard werden, da die Analysen immer besser und Tests immer billiger werden.
Wir glauben, dass wir ein guter Partner sind, denn Landwirte und Gemüsebauern können sich sicher sein: Mit der Multikraft-Technologie kann man nichts falsch machen, man kann nicht zu viel nehmen. Der Einsatz unserer Produkte funktioniert rückstandsfrei.

Ulrike Hader: Studien zeigen auch, dass Effektive Mikroorganismen vorhandene Rückstände rascher abbauen können. Rückstände, die z. B. auf Jungpflanzen von Salaten noch nachweisbar waren, sind durch regelmäßige
EM-Anwendung nicht mehr vorhanden. Ein weiterer ganz wichtiger Punkt, den Betriebe sehr schätzen, ist, dass Wartezeiten bei der Ernte nicht nötig sind.
Ob Gemüse, Obst, oder Getreide – man kann am Vormittag die Kulturen noch mit EM behandeln und schon am Nachmittag ernten.

Ein Highlight des Umbaus ist der Gartenpavillon, der für rund 200 Gäste Platz bietet. Bei der EM-Tour vor Ort erhalten Profis aus Landwirtschaft und Gartenbau, Vereine, EM-Interessierte und Schulgruppen einen Einblick in die Welt der Effektiven Mikroorganismen und in die Firmengeschichte. Welche Bedeutung hat der Firmenstandort als Weiterbildungszentrum?

Ulrike Hader: Wir sind Teil eines EU-Leader-Projektes und gehören mit Biohöfen, Brauereien und Schokoladenmanufakturen zu Schaubetrieben in der Region. Die Leute interessiert immer mehr, wo Produkte herkommen. Uns besuchen verschiedenste Gruppen aus Süddeutschland, Norditalien und aus ganz Österreich: Kleingartenvereine, Bäuerinnen und Schulklassen kommen ebenso wie verschiedenste Initiativen, z. B. die
Gesunde Gemeinde.

Lukas Hader: Bisher hatten wir bei unseren Informationsveranstaltungen für Profis aus Landwirtschaft und Gartenbau jeden Winter bis zu 200 Gäste je Veranstaltung im Haus. Den Gartenpavillon können wir nun ganzjährig betreiben. Wir bilden nicht nur unsere Verkäufer und Händler aus, sondern auch jeden einzelnen interessierten Kunden. Wir zeigen vor Ort, wie das Multikraft-System angewendet wird, und fördern so auch das Vertrauen in unsere Produkte. Wir sind stolz darauf zu zeigen, wie wir natürlich und biologisch produzieren. Wir sind keine Hexenküche in der etwas Dubioses entsteht.
Mit der EM-Technologie haben wir in Österreich ein neues Geschäftsfeld geschaffen. Vor zwanzig Jahren waren Dünger und Pflanzenschutzmittel bekannt, boden- und pflanzenstärkende Mittel hat es in der Form kaum gegeben. Wir leisteten hier Pionierarbeit. Vor fünf Jahren gab es noch kein breites Verständnis dafür, dass Mikroorganismen für unsere Böden gut sind. Mittlerweile sind Methoden der Boden- und Pflanzenstärkung in der Masse angekommen und Produkte dafür bei den großen Einzelhandelsketten im Gartenbau verfügbar.

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Mikrobiomforschung belegen welch bedeutende Rolle Effektive Mikroorganismen für regenerative Prozesse in der Natur spielen. Auch bewährte Praxiserfahrungen fördern das Vertrauen in naturnahe Bewirtschaftungsweisen.
Warum macht es langfristig Sinn auf die EM-Technologie zu setzen?

Ulrike Hader: Der gesundheitliche Aspekt ist uns sehr wichtig. Werden Lebensmittel gesund und rückstandsfrei produziert kann sich damit das gesamte Umfeld verbessern. Sämtliche Prozesse, die für das menschliche und tierische Wohlbefinden notwendig sind, können mit dem Multikraft-System positiv beeinflusst werden. Böden können sich regenerieren, Pflanzen und Tiere werden gestärkt. Je früher wir anfangen und je konsequenter wir im Sinne natürlicher Kreisläufe arbeiten, umso besser. Wir leben damit gesünder.

Lukas Hader: Schauen wir auf den Ackerbau. Das Wetter spielt nicht mehr so mit, wie wir es in den letzten 50 bis 100 Jahren noch gewohnt waren. Starkwetterereignisse waren eine Ausnahmeerscheinung. Heute wird es immer wichtiger, seinen Grund und Boden in Ordnung zu haben. Ist das Wasserhaltevermögen und das Kapillarsystem der Böden gut, können sie Dürreperioden und Starkregen standhalten und die Bauern damit sicherer Landwirtschaft betreiben.
Die österreichische Meteorologin und Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb von der Wiener Universität für Bodenkultur hat schon vor zwanzig Jahren auf die klimatischen Veränderungen hingewiesen. Wir müssen uns jetzt langfristig darauf einstellen, dass es nördlich der Alpen trockener und südlich der Alpen verstärkt regnen wird. Wie wir im Frühjahr 2018 gesehen haben, geht die Wetterscheide sogar so weit, dass es im Süden Österreichs, in der Steiermark und in Kärnten, massive Niederschläge gegeben hat und in Oberösterreich viel zu wenig. Wer zwei Wochen länger Wasser in seinen Böden hat, wird sicherer bestehen können. Es gilt also, seine Bewirtschaftung der Böden, ihren Humusgehalt und ihre Wasserhaltefähigkeit im Griff zu haben.
Gesunde Böden gehören zu den wichtigsten Maßnahmen, die es gibt. Diese Notwendigkeit wird erst heute so richtig gesehen. Die EM-Bodenbehandlungen, die wir seit vielen Jahren propagieren, laufen jetzt so richtig an. An den Betrieben, die seit vielen Jahren oder auch erst seit Kurzem mit uns arbeiten, sehen wir, dass sie viele Probleme nicht mehr in dem Ausmaß haben wie ihre Nachbarn. Es gibt unzählige Betriebe mit tollen Erfahrungen. Für Multikraft ist es in der Nachfrage spürbar, dass das Multikraft-System bei Landwirten vermehrt als probates Mittel gesehen wird, um die Böden zu stärken. Darauf kommt es in den nächsten Jahren an.

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