Effektive Mikroorganismen - Über kleine große Helfer und die Menschen, die mit ihnen arbeiten

09.03.18 Effektive Mikroorganismen - Über kleine große Helfer und die Menschen, die mit ihnen arbeiten

"Für mich ist die gärtnerische Arbeit gerade keine strikt positivistische Wissenschaftsgläubigkeit. Gärtnern besteht im Wesentlichen aus gelebtem Aneignen von Erkenntnissen, die in der Erfahrung liegen. Egal, ob wir nun an die Wirkweise der EM glauben, oder aber ob wir ihnen kritisch gegenüberstehen: Wir Gärtner müssen, wie alle Menschen, wieder das Vertrauen und den Sinn für das Lebendige zurückerlangen," Johannes Auer in "Grünes Tirol".

Ein Artikel von Johann Auer in "Grünes Tirol"

„Pflanzenstärkungsmittel in Cyclamen wirkungslos“ titelt die Fachzeitschrift DEGA-Gartenbau des renommierten Ulmer-Verlags in ihrer November-Ausgabe. Eines ist sicher, das Thema des Einsatzes von sogenannten „Effektiven Mikroorganismen“ lässt in Fachkreisen keinen so leicht kalt. Während die einen diese Präparate hochloben und es fast kein Auskommen mehr ohne sie zu geben scheint, sind sie für viele andere reiner Humbug, ja geradezu Aberglaube. Zwischen diesen Extremen bewegen sich jene, die sie vielleicht mit einem imaginären Schulterzucken anwenden, frei nach dem Motto: „Hilft es nichts, schadet es nichts.“. Aber was sind Effektive Mikroorganismen? Wie sind sie im Dickicht der vielen Präparate auf dem Pflanzenhilfsmittelmarkt einzuordnen? Welche Erwartungen sollte man haben und welche Erwartungen sind schlichtweg überzogen? Wo und wie sollen sie eingesetzt werden?


Bio überall
Die weitverbreitete Skepsis, oder auch die Anhängerschaft, gegenüber den EM kann nicht isoliert vom allgegenwärtigen Bio-Boom betrachtet werden. Bio ist überall. Dabei wird nicht selten das ursprüngliche Konzept, oder die Leitidee, die hinter der biologischen Gartenbauweise steckt, korrumpiert. Alle großen Handelsketten, die Gartencenter, ja selbst bisher unbelehrbar dogmatisch scheinende „konventionell“ arbeitende Gärtner, springen auf das große Geschäft mit der Nachhaltigkeit auf. Präparat-Marken sprießen aus dem Boden. Ja sogar Homöopathie für Pflanzen wird mittlerweile angeboten. Die oftmals keineswegs unberechtigte Skepsis gegen das große Geschäft um Bio verzerrt dabei allerdings den tatsächlich wichtigen und richtigen Kern der biologischen Wirtschaftsweise. Die EM gehören zwar nicht zwingend zu der biologischen Landbauweise, ihre Wirkweise ist allerdings ohne Kenntnis der „anderen“ Sichtweise auf Garten- und Landbau, welche bei uns  allgemein und etwas ungenau als „bio“ bezeichnet wird, nicht zu verstehen. EM verstärken und fördern nämlich schlicht natürliche Prozesse.


Eine andere Sicht
Das wohl größte Problem ist, dass sich im Falle der EM unterschiedliche Gartenbauverständnisse, die unmittelbar aus der Betrachtung unserer Zeit herrühren, begegnen. Pflanzen werden, um dies sehr verkürzt zu Papier zu bringen, im industrialisierten Gartenbau isoliert von ihrer Umwelt gesehen. Die industrialisierte Form des Gartenbaus, die sich nach schnellen Lösungen umsah und diese in den chemisch-synthetischen Düngern und Pflanzen„schutz“mitteln fand, sieht im Boden lediglich den Raum, in welchem Pflanzen stehen. Für Gärtner, die sich dem organischen Land- und Gartenbau widmen, stehen Pfl anzen jedoch in einem lebendigen Raum, den man achten, schützen und pflegen muss. Aus dieser Perspektive heraus, einer alten Gärtnerweisheit folgend, pflegt und bearbeitet der Gärtner im Prinzip nicht in erster und einziger Linie die Pflanze, sondern vielmehr den Boden und auch den Garten als Raum von Mensch, Tier und Mikroorganismus. EM ist eine Art des Einsatzes von Organismen, die nach natürlichen Prinzipien arbeitet. Der Prinz v. Wales meinte einmal, wir müssten lernen, das Ganze als Ganzes wahrzunehmen. Das heißt, die Welt um uns als einen symbiotischen Organismus zu sehen.

Was steckt hinter den Effektiven Mikroorganismen?
Bevor wir uns der direkten Wirkweise und dem Einsatz von Mikroorganismen im Gartenbau widmen, sollten wir nicht vergessen, dass wir in einer Gartenbauwelt leben, in der zum Teil hochsensible Kulturpflanzen eingesetzt werden. Auch wenn sich in den letzten Jahren vieles zu mehr Biodiversität hin verändert hat, haben die meisten Gartenbesitzer immer noch nahezu perfektionistische Ansprüche an ihre Pflanzen. Dabei kollidiert aber dieses Anspruchsdenken mit der Zeit. Es muss in unserer Welt alles schnell und problemlos gehen, alles muss mit Patentlösungen und Fertigprodukten eingedeckt werden, um die vielgelobte Effizienz zu sichern. Was zunächst nahliegende Lösungen zu bieten scheint, wird dann zum Problem, wenn vor lauter Fertigprodukten vergessen wird, dass man es bei Pflanzen mit Lebewesen zu tun hat und nicht mit toter Materie. Die Folge ist, dass wir es oftmals verlernen, mit Erfahrung und Sinn für das Lebendige an die Dinge heranzugehen und nur blinden Laborergebnissen folgen.

Der Japaner Teruo Higa entdeckte, dass ein lebensfördernder Prozess entsteht, wenn eine Kombination von verschiedenen Mikroorganismen faulende organische Substanz beeinflusst. Er nannte diese erste Mischung EM 1®. Was sind aber nun „Effektive Mikroorganismen“? Es gibt im Wesentlichen drei Hauptgruppen von Effektiven Mikroorganismen:
1. Photosynthesebakterien: Urbakterien, die bereits 1.200° C heiße Vulkanglut überlebten, sie reicherten durch ihren Stoffwechsel die Stickstoffhülle der Erde mit Sauerstoff an und ermöglichten somit das Leben auf der Erde. Wesentlich ist, sie bevorzugen jegliche Art von Schmutz und zerteilen giftige Verbindungen wieder in harmlosere Einzelsubstanzen.
2. Milchsäurebakterien: Wir kennen sie aus Joghurt, Käse, Sauerkraut etc.
3. Hefen: Sie kennen wir aus Wein, Bier, Brot. Ihre und die Wirkung von Milchsäurebakterien sind aus Lebensmitteln bekannt und vertraut und wohl in ihrer Wirkweise unumstritten.

Das Gleichgewicht und die Dominanz
Wenn man davon ausgeht, und das ist richtig, dass man auf der Erde als Mensch eigentlich eine Minderheit, gewiss mit Dominanz, darstellt und dass die Mikrooragnismen als Lebensform die eigentliche Mehrheit darstellen, dann darf es einen kaum verwundern, dass Mikroorganismen und ihre Verteilung Prozesse massiv beeinflussen können. Nun arbeitet der Gärtner, der aktiv Mikroorganismen und deren Präparate einsetzt, nach dem Prinzip, nach welchem auch jeder Mensch arbeitet, der auf seine Gesundheit achtet. Dieser Mensch wird sich gesund ernähren, Vitamine zuführen und vor allem ein gesundes Milieu in seinem Leben schaffen. Wir Menschen wissen seit Langem um die Rolle der Bakterien, warum sollen diese also ausgerechnet in der Gärtnerei keine Rolle spielen. Die Wirkweise der Effektiven Mikroorganismen ist das Dominanzprinzip. Das Dominanzprinzip besagt, dass der Großteil der Mikroorganismen der stärkeren Gruppe, entweder den fäulnisfördernden oder aber den aufbauenden Mikroorganismen, folgt. Führt man also positive Mikroben zu, unterdrückt man die negativen Mikroben. Krankheitsund fäulniserregende Mikroorganismen werden durch diese Art von Beeinflussung unterdrückt und in Schach gehalten, ja sie verschwinden. Das hat rein gar nichts mit Hexerei, Aberglauben oder auch mit unverständlicher Expertensprache zu tun.


Der praktische Einsatz von Effektiven Mikroorganismen
Wenn wir um diese Wirkung wissen, dann wird vielleicht klarer, wie und warum Effektive Mikroorganismen erfolgreich eingesetzt werden. Es gibt zahlreiche Präparate, die man im Handel bekommt. Der Einsatz von Effektiven Mikroorganismen ist einer, der vom Gärtner allerdings verlangt, sich mit Kontinuität und auch mit großer Empathie den Dingen zu nähern. Schnelle Patentlösungen mag zwar die eine oder andere griffige Werbung versprechen, die Wahrheit jedoch liegt tiefer – und das dürfte mit ein Grund dafür sein, warum EM in kurzlebigen Kulturen sehr umstritten sind, dort nämlich ein Milieu aufzubauen, ist sicherlich am schwersten. Tote und entseuchte Kultursubstrate müssten erst mühevoll zu lebenden Organismen umgewandelt werden, wozu oftmals schlicht die Zeit fehlt. Der Grundfehler unserer Zeit, die schnelle, rasche und ständige Verfügbarkeit mit Waren ist also einer der Gründe, warum in vielen Bereichen das natürliche Gleichgewicht aus der Bahn geworfen wird und genau darin liegt die Chance in der Anwendung der EM, nämlich ein Klima zu erzeugen, welches das Gleichgewicht fördert. Um dies zu verdeutlichen, soll hier nun an einigen Beispielen die praktische Anwendung von Effektiven Mikroorganismen gezeigt werden: Der Autor dieser Zeilen hat selbst zahlreiche Erfahrungen mit Effektiven Mikroorganismen gesammelt. EM sind gewiss kein Allheilmittel, ihr Einsatz muss stets von ganzheitlichen Maßnahmen begleitet werden. Dort aber, wo dies beachtet wird, bleibt der Erfolg nicht aus:

• Buchsbaumsterben (Cylindrocladium buxicola)
Das gefürchtete Buchsbaumsterben, ein hoch aggressiver und extrem schnell sich ausbreitender Pilz, wütete in unseren Buchsbäumen. Wir begannen, obwohl der Pilz bereits weit fortgeschritten war, mit Abwehr- und Stärkungsmaßnahmen. Der Pilz galt lange Zeit wenn nicht als unbesiegbar, so doch als zumindest nahezu unbekämpfbar. Ein Problem war die Überlebensdauer der Pilzsporen im Boden, welche mehrere Jahre betragen kann. Nun ist bekannt, dass der Ausbruch auf zu hohe Feuchtigkeit über mindestens fünf Stunden auf den Blättern befeuert wird, was besonders im Hochsommer der Fall ist oder sein kann. So begann ich, die Buchspflanzen im Frühjahr zunächst mit einem Kupferpräparat zu spritzen. In Folge begannen wir den Boden unter den Buchsbäumen gründlich von befallenen (und abgefallenen) Pfl anzenteilen zu reinigen. Wir arbeiteten einen Bodenaktivator ein. Gespritzt wurde und wird ausschließlich in den frühen Morgenstunden. Wir konnten den Buchs im Jahr 2016 befallsfrei halten, viele, ja die meisten, befallenen Buchs (mit teils massiven Schäden), erholten sich wiederum. Im Jahr 2017 trat der Pilz wiederum an einigen Stellen hervor. Aus Zeitmangel verzichtete ich nämlich auf die Frühjahrskur mit EM und Kupfer. Nun gingen und gehen wir dazu über, den Buchs (im Herbst und im Frühjahr) mit EM-aktiv, ein Präparat aus dem Hause Multikraft, zu spritzen (aber auch und gerade den Boden!). Ich bin überzeugt, dass die Anwendung gerade des Bodenaktivators in Verbindung mit EM den Pilz eindämmen konnte, dies lehrt auch die Erfahrung des Jahres 2017. Der ansonsten nahezu unbekämpfbare Pilz kann jedenfalls so in unserem Garten in Schach gehalten werden.


• Wollläuse
Wollläuse sind gefürchtet und dies zu recht. Sie sind besonders hartnäckig und zäh. Sollten sie auftreten, hat es sich bewährt, sie mit einer Küchenrolle abzustreifen. Im Anschluss spritze ich den gesamten befallenen Pflanzenteil, wie auch die restliche Pflanze mit einem Cocktail aus den Multikraftprodukten EM Aktiv und Mk5. In letzterem Präparat ist Chili und auch Knoblauch enthalten. Der Erfolg dieser Behandlung liegt allerdings in der Wiederholung. Durch ein kontinuierliches Anwenden bildet sich ein Milieu auf der Pflanze, welches es Schädlingen wie der Wolllaus vermiest, sich auf der Pflanze niederzulassen.

Vertrauen in das natürliche Gleichgewicht
Oben genannte Erfahrungen werden alle jene kaum überzeugen, die sich strikt an die Erkenntnisse der Expertokratie halten. Und ich gebe es freimütig zu: Für mich ist die gärtnerische Arbeit gerade keine strikt positivistische Wissenschaftsgläubigkeit. Gärtnern besteht im Wesentlichen aus gelebtem Aneignen von Erkenntnissen, die in der Erfahrung liegen. Egal, ob wir nun an die Wirkweise der EM glauben, oder aber ob wir ihnen kritisch gegenüberstehen: Wir Gärtner müssen, wie alle Menschen, wieder das Vertrauen und den Sinn für das Lebendige zurückerlangen. Die lebendige Welt ist keine Maschine, wir mögen in einer Expertokratie leben, in der es für alles und jeden Handgriff einen bezahlten Experten gibt, die Welt aber lebt und wir sollten nicht ganz vergessen, dass der beste Gärtner oftmals der war, der seit Jahrzehnten (oftmals gerade ohne Schulwissen) mit seinem Boden und seinen Pflanzen lebte. Er wusste vielleicht nicht jede wissenschaftliche Bezeichnung jedes noch so kleinen Bodenteils, er wusste aber, wie er Gleichgewicht herstellen konnte. Nach keinem anderen Prinzip wirken die EM. Und wenn wir dies verstanden und verinnerlicht haben, dann werden wir mit einem realistischen Blick die EM als Bereicherung in unseren Gärten einsetzen können.
Und so schließt auch jener im Eingang zitierte Beitrag im DEGA-Gartenbau mit den Worten: „Die Erfahrungen aus der Praxis widersprechen dem zum Teil und sind positiv. Allerdings sind auch Fälle mit Schäden bekannt. (…) Wer mit dem Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln gute Erfahrungen macht, soll sie auch weiterhin einsetzen.“ Jede Gärtnerin, jeder Gärtner, der im Auge behält, was und wozu Effektive Mikroorganismen dienen, wird mit ihnen jedenfalls einen Beitrag zur Gesundung der Natur leisten können.

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