Der Boden von der Blackbox zum Partner des Landwirts

25.03.16 Der Boden von der Blackbox zum Partner des Landwirts

Durch die Technik und die Chemie ist die wichtigste Ressource des Landwirts aus dem Blickfeld gerückt. Der Boden wurde zum Standort, und die Voraussetzungen für hohe Erträge wurden mit künstlichen Hilfsmitteln hergestellt. Das ändert sich jetzt.

Der Boden von der Blackbox zum Partner des Landwirts

Multikosmos Ausgabe 00021

Die intensiv genutzte Technik schafft ein kurzfristig intaktes Saatbett und gleichzeitig viele Probleme – von der Verdichtung, über das Einschleppen von Unkrautsamen bis hin zur Erosion; die Chemie garantiert hohe Erträge, hinterlässt aber Rückstände und Fragezeichen bei der Produktqualität. Die zunehmenden Fälle von Resistenzen und gravierenden Nebenwirkungen zeigen, dass hier Grenzen überschritten wurden. Das betrifft am stärksten den Herbizideinsatz, aber auch die Bekämpfung von Schadinsekten und Schadpilzen. Der Versuch, die Bewirtschaftung immer stärker zu vereinfachen, widerspricht den natürlichen Verhältnissen.

Wer das Leben unter seinen Füßen stärker als bisher beachtet, wird sich der Wunder bewusst, die sich im Boden abspielen. Regenwürmer fressen das Stroh und sorgen gleichzeitig für eine perfekte Durchlüftung. Aber-Milliarden Bakterien setzen die in den Ernterückständen verbliebenen Nährstoffe frei, Mykorrhizapilze bauen eine stabile Krümelstruktur auf. Der Griff zu Technik und Chemie mag kurzfristig einfach erscheinen, aber mittel- bis langfristig sichert das Leben im Boden das Überleben der bäuerlichen Betriebe viel besser ab. Die Partner im Boden arbeiten weitgehend kostenlos, setzen aber ein größeres Verständnis voraus. Der Landwirt lernt wieder stärker zu beobachten, wann der richtige Zeitpunkt für die verschiedenen Maßnahmen ist. Er berücksichtigt die Zusammenhänge zwischen Fruchtfolge und Pflanzengesundheit; er bleibt gelassen, wenn es zum scheinbar falschen Zeitpunkt regnet.

Besonders faszinierend ist die Artenvielfalt im Boden. Im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts haben Wissenschaftler aus den USA, Kanada und Brasilien in landwirtschaftlichen Böden bis zu 53.000 verschiedene Bakterienarten sequenziert; vermutlich sind es aber noch erheblich mehr. Bei den Bodenpilzen haben Wissenschaftler des berühmten Kew Botanical Gardens südlich von London bislang über 80.000 Arten ermittelt.

Diese Vielfalt garantiert die umfassenden Funktionen, die der Boden wahrnimmt und hilft ihm nach einschneidenden Veränderungen, wie beispielsweise Überflutungen, wieder rasch zu regenerieren.

Diese Artenvielfalt bedarf der passiven Pflege. Je weniger in den Boden eingegriffen wird, umso besser können sich nützliche Bodenpilze und –bakterien entfalten und stabile Strukturen aufbauen. Deshalb muss es das Ziel sein, zu einer flachen Bodenbearbeitung zurückzukehren.

Bei aller Euphorie für den Boden darf das Nachdenken nicht auf der Strecke bleiben. Das betrifft vor allem bestimmte Vorstellungen. Beim Ersatz von Technik und Chemie durch die Biologie dürfen bestimmte Regeln nicht außer Acht gelassen werden. Wie die Pflanzen und Tiere leben auch die Mikroorganismen von Nährstoffen, nicht nur von N, P und K, sondern auch von Kalzium, Magnesium und Schwefel sowie den zahlreichen Spurenelementen.

Die Jahr für Jahr abgeführten Nährstoffe müssen ersetzt werden. Es ist eine Illusion zu glauben, in den Böden sei alles vorhanden. Eine Standardbodenuntersuchung reicht nicht aus, um festzustellen, ob beispielsweise auch genügend Zink und Mangan vorhanden ist, zwei Spurenelemente, die in vielen Böden fehlen. Manchmal werden die Mikronährstoffe festgelegt, weil im Boden zu viel Kalzium vorhanden ist, das heißt genauso wichtig ist das Verhältnis der positiv geladenen Hauptnährstoffe (Kationen) untereinander. Ideal sind je nach Bodenart 65 bis 75 % Kalzium, 10 bis 15 % Magnesium und 4 bis 7 % Kalium sowie ca. 10 % Wasserstoff-Ionen, was einem pH-Wert von 6.3 entspricht. Genaue Hinweise finden Sie in der deutschen Ausgabe des Fachbuchs „Hands-On Agronomy“ von Neal Kinsey, erhältlich durch die Firma Multikraft. Die Kationen werden durch die Tonmineralien und Humuskolloide gebunden und in der Vegetationsperiode durch die Wurzelausscheidungen freigesetzt.

Stickstoff, Schwefel und Bor liegen im Boden als Anionen vor, werden daher kaum oder weniger stark im Boden festgehalten. Daher unterliegen sie einer größeren Auswaschungsgefahr als die Kationen. Beim Nitrat ist das bekannt, nicht aber beim Sulfat und beim Borat. Die Ammonium-haltigen Stickstoffdünger werden rasch zu Nitrat umgesetzt. Das Ammonium-Ion kann aber auch im Austausch gegen das Kalium-Ion in den Tonmineralien gebunden werden.

Als Anwender effektiver Mikroorganismen wissen Sie, dass man bei der Biologie auch ein wenig nachhelfen darf. Schließlich gibt es nicht nur die guten Partner im Boden, sondern auch diverse Schaderreger, die aber nicht von allein verschwinden. Je mehr Pathogene vorhanden sind, umso wichtiger ist es, das Verhältnis von nützlichen zu schädlichen Mikroorganismen zu verändern. Das ist möglich, braucht aber viel Geduld. Zu einer aktiven Biologie zählt der Anbau von Untersaaten und Zwischenfrüchten. In der freien Natur gibt es außerhalb der Wüsten keine unbedeckten Böden.

Je mehr organische Substanz Sie den Böden zuführen, umso stärker steigen die Erträge. Bei der Verrottung werden die Pflanzenbestandteile in Nährhumus und in geringerem Maß in Dauerhumus umgesetzt. Der Nährhumus ist im nächsten Frühjahr eine wichtige Kohlendioxidquelle für die heranwachsende Kulturpflanze.

Damit die Bodenbakterien ihre Arbeit verrichten können, benötigen sie vor allem Stickstoff, aber auch die vielen anderen Elemente. Daher ist beim Zwischenfruchtanbau ein hoher Anteil von Leguminosen wichtig, und vergessen Sie bitte nicht die speziellen Spurenelementbedürfnisse der Rhizobien, die einen hohen Bedarf an Eisen, Zink, Mangan, Molybdän und Kobalt haben. Wer als biologisch wirtschaftender Betrieb in diesem Sinne sowohl die Nährstoffe als auch die Biologie im Auge behält, kann sich recht schnell von teilweise enttäuschenden Erträgen verabschieden. Das wünsche ich Ihnen.

Wichtig ist es, dass Sie es nicht beim Darübersprechen belassen, sondern mit einer kleinen Testfläche anfangen – am besten in der Nähe Ihres Betriebes. Wenn Sie die vorgeschlagenen Tipps zur besseren Nährstoffversorgung und zur Förderung der Bodenbiologie dort umsetzen, können Sie die Veränderungen aus nächster Nähe sehr gut beobachten. Wenn Sie die Testfläche dann noch mit einem unverändert bewirtschafteten Nachbarfeld vergleichen, dann sehen Sie die Fortschritte. Auf diese Weise können Sie die Ertragsunterschiede zwischen den verschiedenen Feldern beseitigen und nachhaltig hohe Erträge mit einer einzigartigen Qualität erzeugen.

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