Familienbetrieb aus der Steiermark unter Top fünf in der Wertung "Bester Zuchtbetrieb Österreichs"

25.03.16 Familienbetrieb aus der Steiermark unter Top fünf in der Wertung "Bester Zuchtbetrieb Österreichs"

„Was man gern macht, macht man gut.“

Viehzucht und Milchproduktion in der Steiermark

Multikosmos Ausgabe 00021

Ein ausgiebiges Frühstück, Mehlspeisen am Nachmittag oder eine herzhafte Jause am Abend im gemütlichen Ambiente des Kuhcafes locken zahlreiche Gäste nach Unterlamm in der Südoststeiermark. Bauernhofcafes gibt es in Bayern schon längere Zeit. Von dort hat der Viehzüchter Christian Friedl die Idee mit zu sich nach Hause genommen und sein Kuhcafe 2012 direkt über dem Melkroboter errichtet. Die Gäste überblicken somit beim Besuch des Kuhcafes das Geschehen im Rinderlaufstall.

Sein auf dem Setzberg gelegener Fleckviehhof hat sich über die Jahre beachtlich entwickelt. Wie viele bäuerliche Kleinbetriebe stand Christian Friedl vor der Entscheidung, den im Nebenerwerb geführten Betrieb aufzugeben oder neu zu investieren. Was man gern macht, macht man gut. So lautet das Motto der Familie Friedl und da ihr Herz an der Fleckviehzucht hängt, wurde die Vergrößerung des Betriebs gewagt.

"In einer Zeit, in der die meisten Bauern aus der Milchproduktion aussteigen, sind wir intensiv daran gegangen. Im Jahr 2000 hatten wir nur zwei Kühe.  Hier in der Region haben wir viel Grünlandflächen und daher immer genügend Futter. So ist die Tierzahl im Laufe der Zeit angewachsen. 2004 haben wir neben dem Wohnhaus einen Laufstall für 50 Rinder plus Kälber gebaut und 2011 dann noch einen Stall für 70 Milchkühe plus weibliche Nachzucht. Die Betriebsentwicklung ist sehr schön." erzählt Christian Friedl. 2011 setzte Christian Friedl auch einen schon länger gehegten Gedanken in die Tat um, gab seinen Job auf und führt seither den Berieb im Vollerwerb. Der beherzte Einsatz und die gute Arbeit wurden belohnt. 2013 wurde er zum Fleckviehzüchter des Jahres gekürt.

Das Um und Auf sind gesunde und vitale Rinder. "Fakt ist, dass die hohe Milchleistung nur zustande kommt, wenn sich die Tiere 1000% wohl fühlen." so Christian Friedl. Die aktuelle Milchleistung liegt bei  11.800 Liter im gleitenden Betriebsdurchschnitt.

Um diese konstante Leistung und hohe Rohmilchqualität zu erreichen, hat der Landwirt in den letzten 15 Jahren immer die beste Genetik eingesetzt, das heißt, er hat Kälber und Jungrinder nur von den besten Fleckviehzüchtern aus Bayern und Österreich zugekauft und aus zehn bis fünfzehn Tieren die gesamte Herde aufgebaut.

Für hohe Rohmilchqualität ist der Zellzahlgehalt der Milch ein wesentliches Bewertungskriterium. Die Zellzahl wird in Zellen pro Milliliter angegeben. Anhand des Zellzahlgehalts wird auch die Eutergesundheit der Milchkühe beurteilt. Liegen sie über 200.000, weist dies auf mangelnde Eutergesundheit hin und bedeutet eine Leistungsminderung. Für allerbeste Rohmilchqualität muss der Gehalt unter 150.000 Zellen liegen.

"Wir produzieren im Durchschnitt jedes Jahr um die 100.000 Zellen. Um durchgehend beste Qualität zu erreichen, muss vom Futter her alles passen, ebenso die Hygiene im Stall, die Liegeboxensauberkeit genauso wie die Melktechnik. All das trägt zur Gesundheit bei. Gute Zuchtarbeit heißt auch, auf den Komfort der Tiere zu achten. Mit dem modernen Laufstall haben sie genügend Platz und seit 2011 setzen wir auch einen Melkroboter ein." erklärt Christian Friedl.

Der Betrieb verfügt über 80 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Davon werden 25 ha Mais, 15 ha Feldfutter und 15 ha Getreide, hauptsächlich Gerste und Tritikale, angebaut. Der Rest ist Dauergrünland. 3000 Kubikmeter Siloraum stehen für 2/3 Grassilage und 1/3 Maissilage zur Verfügung. Milchkühe bekommen 50% Maissilage und 50% Grassilage gefüttert, Jungrinder und Kälbinnen erhalten Grassilage,

Heu und Kraftfutter. Als Kraftfutter werden an die 15 ha Silomais, 10 ha getrocknete Ganzkörner und 150 Tonnen Getreide eingelagert und den Tieren zugefüttert. Raps und Soja - beide gentechnikfrei - werden als Eiweißliferanten zugekauft. Mineralfutter ergänzt das Kraftfutter ebenfalls. Da die Milch das AMA-Gütesiegel trägt, ist der Betrieb zur gentechnikfreien Produktion verpflichtet.

In seinem Betrieb und besonders auch in der Fütterung verwendet Christian Friedl seit 2012 auch FKE (Fermentierter Kräuterextrakt). "Damit es zu keiner Nacherwärmung im Futter kommt, setzen wir ganzjährig FKE im Mischwagen ein. Auf 10 Liter Wasser geben wir rund 10 Liter FKE. Bei den Kälbern geben wir FKE zur Vollmilch dazu, pro Tränke kommt zu rund 3 - 5 Liter Milch ein 1/8 Liter FKE. Das ist eine wirklich gute Durchfallprophylaxe. Wir bekommen 90 bis 100 Kälber im Jahr und es macht wirtschaftlich und arbeitstechnisch einen großen Unterschied ob nur zwei oder fünfzehn Kälber erkranken. Seit wir bei den Kälbern konsequent FKE einsetzen, haben wir so gut wie keine Durchfallerkrankungen mehr." erklärt Christian Friedl und weiter: „Wir setzen FKE auch als Siliermittel und zur Stabilisierung

der Silage sowie zur verbesserten Fließfähigkeit der Gülle ein. Der Spaltenboden wird ebenfalls mit FKE behandelt. Wir machen insgesamt gute Erfahrungen damit."

Dass Christian Friedl seine Arbeit konstant gerne und gut macht zeigt sich auch darin, dass sein Hof seit drei Jahren in den Top fünf bei der Züchterauswertung "Bester Zuchtbetrieb Österreichs" vertreten ist und einige Schauerfolge vorzuweisen hat. „Bei unserer Betriebsgröße muss es ein gutes Konzept geben. Nur so kann es den Tieren gut gehen, sodass die Leistung passt und eine wirtschaftliche Betriebsführung möglich ist." fasst er zusammen und freut sich über zahlreiche Exkursionen, die ins Kuhcafe kommen, wo die Gäste regionale Schmankerln und einen umfassenden Einblick in das Geschehen am Fleckviehhof erhalten.

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