Pionierarbeit mit Wintergemüse - Altes Wissen mit neuer Technologie

25.03.16 Pionierarbeit mit Wintergemüse - Altes Wissen mit neuer Technologie

Viele einfache Methoden zur Pionierarbeit mit Wintergemüse.

Altes Gartenwissen im neuen Kleid – Pionierarbeit mit Wintergemüse

Multikosmos Ausgabe 00021

Hinter der Gloriette des Schlosses Schönbrunn in Wien befindet sich die Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau. Sie ist die einzige österreichische Bundesinstitution, die im Gartenbau Forschung betreibt. Dipl.-Ing. Wolfgang Palme leitet die Abteilung Gemüsebau mit ihrer Forschungsstation am Zinsenhof in Melk. Bedürfnisse und Fragen der österreichischen Gärtnerschaft werden aufgegriffen, im Auftrag der Ernährungsagentur Sortenprüfungen durchgeführt. Die Forschungsschwerpunkte liegen auf der Gemüsevielfalt und dem biologischen Gemüsebau.

„Wir konzentrieren uns auf Produktionsentwürfe abseits des agroindustriellen Systems. Klein- und Mittelbetriebe sind wirtschaftlich enorm unter Druck geraten. Wir erforschen neue Wege und leisten durchaus Pionierarbeit.“ so Wolfgang Palme. Ein jüngster Schwerpunkt liegt auf dem Anbau von Wintergemüse. „Mit Sortenprüfungen zur Frosthärte von Spezialsalaten starteten wir im Jahr 2007. Es machte uns stutzig, wie gut sie Minusgrade im unbeheizten Folientunnel überlebten. Sie sind frostfester als es in Lehrbüchern steht und können gestaffelt über den ganzen Winter geerntet werden. Seither weiten wir das Sortiment aus.“

Bislang gilt der Winter für den heimischen Gemüsebau als verlorene Jahreszeit. Die Frage, wie Gemüse auf energieextensive Art überwintern kann, steht also im Zentrum. In Zusammenarbeit mit Bio Austria wurden sieben Biogemüseproduzenten in ein über den Winter 2014/15 dauerndes Projekt eingebunden. Allesamt sind Direktvermarkter und bauten im Rahmen des Projektes Wintergemüse an. Das landwirtschaftliche Versuchszentrum Wies in der Steiermark, die Gartenbauschule Langenlois und das Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Wien waren ebenfalls beteiligt. Am Institut für ökologischen Landbau der Universität für Bodenkultur in Wien ließ Wolfgang Palme eine Bachelorarbeit ausschreiben, mit dem Ziel, in alter Gartenbauliteratur Wissen über das Frosthärtepotential und dem Anbau im Winter zu sammeln. Hilfreich war ebenso das „winter-harvest-handbook“ des Biopioniers Eliott Coleman, dessen umfassendes Wissen im „Handbuch Wintergärterei“ übersetzt ist.

Einfache Methoden

Moderne Folientunnel passen gut zu Zicchorien, Chiccoree, Endivien, Mangold, Porree, Jungzwiebeln und Kohlgemüse, die sich für den Winteranbau besonders eignen. Im Folientunnel wird das Gemüse mit ein bis zwei Fliesschichten abgedeckt. Lichtangebot sowie Beschaffenheit und Feuchtigkeit des Bodens und der Luft spielen eine große Rolle. Gemüse erfriert oft nicht, sondern verfault. Es gilt sparsam zu gießen, damit Pilzkrankheiten keine Chance haben. Für gute Durchlüftung wird regelmäßig Luft eingepumpt. „Das Thema, wie unbeheiztes Gemüse produziert wird, kommt in der Öffentlichkeit sehr gut an. Früher war der Anbau arbeitsintensiv. Uns geht es aus ökologischen und wirtschaftlichen Gründen darum, die alten Prinzipien in ein neues betriebliches Kleid mit einfachen Produktionsmitteln zu kleiden.“ so der Pflanzenwissenschafter, der mit einem „Low-engergy-Projekt“ eine weitere Möglichkeit der heimischen Saisonverlängerung testet.

Ausdehnung der Gartensaison

Wieder kommt ein altes Gartenbauprinzip zum Tragen. Früher wurde Pferdemist in Frühbeetkästen gepackt und so Wärme entwickelt. Transferiert in ein modernes Umfeld werden im Folienhaus organische, gehäckselte Materialen ausgebracht und mit Erde abgedeckt. In diesen Hügelbeeten entwickelt sich Wärme gut. So gelingt es, unbeheizte Paradeiser zu kultivieren, die Ende Feburar am Schnittbereich von Material und Boden gepflanzt wurden. „Wurzeln ziehen in kalten Böden ihre Zehen ein. Mit diesem System erzielen wir eine Ernteverfrührung, da die Pflanzen bei rund 20 Grad gut einwurzeln. Die ersten Cocktailtomaten waren Mitte Mai reif. Große Sorten brauchen etwas länger. Ende Mai hatten wir unseren ersten Erntedruchgang, im Vergleichstunnel erst Ende Juli.“ In das Low-engergy-Projekt wurden auch EM mit hinhein genommen. Sie können laut Wolfgang Palme in der Pflege des Bodens sowie in der Aufbereitung von Kompost und Organik einen guten Beitrag leisten.

Besonders für Klein- und Mittelbetriebe ist die Saisonverlängerung mit energieextensiven Mitteln interessant. „Kunden wollen nicht nur Produkte aus den Regalen pflücken sondern wissen, wie Lebensmittel entstehen. Es geht darum, in der Region authentische Verfahren zu entwickeln, die einfach anwendbar sind und mit Stolz erzählt werden.“

Bei niedrigen Temperaturen wird weniger gegossen, weshalb EM-Produkte vor allem am Morgen über Sprühen/Vernebelung ausgebracht werden.

Gießen nach Bedarf pro 1.000 m²:
2,5 L BB Boden
0,5 L Terrafert Boden

Wöchentliches Sprühen/Vernebeln pro 1.000 m²:
1,0 % BB Blatt
je 0,5 % Terrafert Boden/Terrafert Blatt/MK 5/FPE
0,1 % EM Keramikpulver
0,2 % Bio Sprühmolkepulver

1. – 3. Sprühung zusätzlich 0,2 % BB Multical

60 –100 L Wasser je nach Temperatur und Feuchtigkeit, 100 L nur, solange der Boden noch nicht bedeckt ist.

 

Der Bio-Pionier und erfolgreiche Gärtner Eliot Coleman erklärt, wie engagierte Biogärtner im Winter ihr Gemüse ohne zusätzliche Heizkosten anbauen können. Sie erfahren, welche Gemüsesorten am besten geeignet sind, was eine kluge Fruchtfolge ist und wie der Schutz vor Kälte im ungeheizten Gewächshaus oder im Folientunnel funktioniert. Eliot Coleman, 224 Seiten

 

 

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