Zukunftsmenü - Starköchin Sarah Wiener im Interview

23.03.16 Zukunftsmenü - Starköchin Sarah Wiener im Interview

Starköchin Sarah Wiener beantwortet spannende Fragen rund um das Thema Genuss.

Zukunftsmenü - Sarah Wiener im Interview

Multikosmos Ausgabe 00018

In Ihrem Buch „Zukunftsmenü“ schreiben Sie auf Seite 15: „Wir können die Welt mit Genuss retten“ – ein journalistischer Aufreißer, eine Phrase oder ein echter kreativer Problemlösungsansatz? Alle wollen Genuss und trotzdem verschlechtert sich die Situation immer mehr.

Genussvoll essen heißt auch, achtsam zu essen und zu wissen, was man überhaupt isst, woher es kommt und wie es produziert wurde. Wenn wir das wissen, können wir selbst bestimmen, was wir essen, welche Stoffe wir unserem Körper zuführen wollen und welche lieber nicht. Wenn wir genau schmecken und langsam kauen, dann wissen wir sehr schnell was Qualität hat und was nicht.

Die Situation verschlechtert sich, weil wir heutzutage meist stark verarbeitete Nahrungsmittel essen, von denen wir nicht mehr wissen, was sich darin befindet und wer sie wie wo herstellt. Wir lassen uns füttern. Wir vergeuden auch viel zu viele Lebensmittel jeden Tag. Daher ist es mir so wichtig, Lebensmittel und gutes Essen zu schätzen zu wissen. Denn wer mit Bedacht kocht und isst, gibt auch Acht auf Natur und Erde.

 

Was verstehen Sie unter Genuss?

Genuss ist für mich Liebe, Achtsamkeit und Wertschätzung – gegenüber dem Essen, meiner Umwelt und meinem Körper.

 

Welche äußeren und inneren Voraussetzungen müssen für Sie für ein Genusserlebnis erfüllt sein?

Zunächst einmal darf kein Stress im Spiel sein. Geht es ums Essen, achte ich bei meinen Lebensmitteln auf folgende Grundregeln: saisonal, regional und frische Grundzutaten aus ökologischer Landwirtschaft. 

 

Wie verschaffen Sie sich persönlich die Voraussetzungen für  ein nachhaltiges Genusserlebnis?

Indem ich mein Essen und meine Lebensmittel bewusst auswähle und mich damit auseinandersetze. Lebensmittel, die auf gesunden Böden gewachsen sind und Fleisch, das aus artgerechter Tierhaltung stammt – damit fängt es an. Wir sind ja ein Teil der Natur. So sollten wir auch leben und uns ernähren.

 

Welchen Weg stellen Sie sich vor, um „die Welt mit Genuss zu retten“?

Einerseits müssen gesunde, nachhaltige und ökologische Lebensmittel für alle Menschen bezahlbar und zugänglich sein. Andererseits muss Nahrung wieder einen Wert bekommen. Stark verarbeitete Nahrungsmittel zerstören nicht nur die Umwelt, unsere Gesundheit sondern auch die Vielfalt in unserer Küche.  Ich wünsche mir, dass jeder einzelne mit Bedacht und Verantwortung isst. Und am besten selber kochen lernt. Ich wünsche mir aber genauso, dass die Politik das Landwirtschaftssystem befördert, das uns gesund erhält und die Umwelt schützt.

 

Wo sehen Sie die größten Hindernisse auf dem Weg zu einer nachhaltigen Genusskultur?

Das größte Hindernis liegt  im System selbst. Das fängt damit an, dass wenige Kleinbauern und Bio-Produzenten in Konkurrenz mit der Agroindustrie treten müssen, da sie weder finanziell unterstützt noch gefördert werden. Und es hört damit auf, dass sich nicht alle Menschen gesunde und nachhaltige Lebensmittel leisten können und auf billiges Discountessen zurückgreifen müssen. Wir haben im Nahrungsmittelmarkt auch keine Transparenz. Keiner weiß, was wir eigentlich essen. Ich denke, dass wir da anfangen müssen, etwas zu ändern. 

Sarah Wiener ist nicht nur eine sehr bekannte Fernsehköchin, sondern auch erfolgreiche Unternehmerin und Buchautorin. 1962 in Halle (Westfalen) geboren als Tochter des österreichischen Schriftstellers und Jazzmusikers Oswald Wiener und der bildenden Künstlerin Lore Heuermann, verbrachte sie ihre Kindheit und Jugend in Wien.
1999 eröffnete sie ihr erstes Restaurant in Berlin „Das Speisezimmer“ – inzwischen führt Sarah Wiener nicht nur ein Veranstaltungs-, Messe- und Kongresscatering, sondern auch drei biozertifizierte Restaurants in Berlin sowie die Gastronomie im Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart und im Kundencenter Bremen. Neben ihrer unternehmerischen Tätigkeit engagiert sich die „Köchin für nachhaltigen Genuss“ auf vielen Gebieten. Öffentlich tritt sie für die Erhaltung unserer natürlichen Lebensgrundlagen ein sowie für ein ethisch-ökologisches Ernährungsbewusstsein in unserer Gesellschaft.

Auf der Suche nach neuen Wegen in der Ernährung wurde Sarah Wiener auf Professor Dr. Manfred Hoffmann aufmerksam. Als Ehrenmitglied der „Deutschen Gesellschaft für Umwelt- und Humantoxikologie“ gilt er als Vordenker und vielschichtiger Agrarwissenschaftler. Für ihr Buch „Zukunftsmenü“ trifft sich Sarah Wiener mit ihm zum Tischgespräch, um mehr über seine wissenschaftlichen, elektrochemischen Messmethoden zu erfahren. Seine neuesten weiterführenden Forschungen betreffen die Auswirkungen von Lebensmitteln auf die menschliche Gesundheit anhand von Kapillarbluttests.
Manfred Hoffmann, geboren 1938, em. Prof. Dr., vertrat an der Hochschule Weihenstephan/Triesdorf die landwirtschaftliche Verfahrenstechnik und den ökologischen Landbau. Seit vielen Jahrzehnten beschäftigt er sich mit Arbeiten zur elektrochemischen Unterscheidung von Lebensmitteln sowie zur ganzheitlichen Qualitätsdefinition.

Multikraft verwendet Cookies, um Ihren Website-Besuch für Sie so angenehm wie möglich zu gestalten. Mit der Nutzung der Website erklären Sie sich damit einverstanden. mehr erfahren
Ich stimme zu!