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In Erinnerung an Hilde Umdasch: „Man muss Positives beitragen, um Positives zu bewirken.“

Mit Hilde Umdasch ist eine beeindruckende Unternehmerpersönlichkeit verstorben, die Mut, Menschlichkeit und unternehmerische Verantwortung miteinander verbunden hat. Bereits 2014 durften wir sie für unser damaliges multikosmos-Magazin zum Gespräch bitten.

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8 Minute(n) Lesezeit
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Im Interview sprach sie über Wertschätzung im Wirtschaftsleben, den Mut zu neuen Wegen, über das Scheitern und darüber, warum man ein Leben lang interessiert bleiben sollte. Viele ihrer Gedanken haben bis heute nichts von ihrer Bedeutung verloren. Aus diesem Anlass veröffentlichen wir das Interview aus dem Jahr 2014 noch einmal in seiner ursprünglichen Form. Angaben zu Funktionen, Unternehmen und Rahmenbedingungen entsprechen daher dem damaligen Stand.

Dieses Interview erschien erstmals im Juni 2014 in multikosmos, Ausgabe Nr. 17. Der folgende Text wird als Zeitdokument in seiner ursprünglichen Fassung wiedergegeben.

Im Interview sprach sie über Wertschätzung im Wirtschaftsleben, den Mut zu neuen Wegen, über das Scheitern und darüber, warum man ein Leben lang interessiert bleiben sollte. Viele ihrer Gedanken haben bis heute nichts von ihrer Bedeutung verloren. Aus diesem Anlass veröffentlichen wir das Interview aus dem Jahr 2014 noch einmal in seiner ursprünglichen Form. Angaben zu Funktionen, Unternehmen und Rahmenbedingungen entsprechen daher dem damaligen Stand.

Dieses Interview erschien erstmals im Juni 2014 in multikosmos, Ausgabe Nr. 17. Der folgende Text wird als Zeitdokument in seiner ursprünglichen Fassung wiedergegeben.

Seit Jahrzehnten ist sie nicht nur im Familienunternehmen Umdasch verwurzelt und fungiert dort als Aufsichtsratsvorsitzende, die Amstettnerin Hilde Umdasch ist auch Gründerin der Gartenfachmarkt-Kette bellaflora. Dort initiierte sie vor gut einem Jahr die nachhaltige Umstellung des Pflanzenschutzsortiments – sämtliche chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel wurden aus den Regalen verbannt und durch natürlich-biologische Produkte ersetzt. „Eine mutige Entscheidung”, sagt Hilde Umdasch selbst – und bei Weitem nicht ihre einzige. Im Gespräch mit multikosmos erzählt die erfolgreiche Unternehmerin unter anderem, warum es sich immer wieder lohnt, Risiken einzugehen und Neues zu wagen.

Seit Jahrzehnten ist sie nicht nur im Familienunternehmen Umdasch verwurzelt und fungiert dort als Aufsichtsratsvorsitzende, die Amstettnerin Hilde Umdasch ist auch Gründerin der Gartenfachmarkt-Kette bellaflora. Dort initiierte sie vor gut einem Jahr die nachhaltige Umstellung des Pflanzenschutzsortiments – sämtliche chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel wurden aus den Regalen verbannt und durch natürlich-biologische Produkte ersetzt. „Eine mutige Entscheidung”, sagt Hilde Umdasch selbst – und bei Weitem nicht ihre einzige. Im Gespräch mit multikosmos erzählt die erfolgreiche Unternehmerin unter anderem, warum es sich immer wieder lohnt, Risiken einzugehen und Neues zu wagen.

Sie sind Aufsichtsratsvorsitzende eines international tätigen Industriekonzerns mit mehr als 7.000 Mitarbeitern weltweit. Daneben haben Sie im Alleingang die Firma bellaflora aufgebaut und zum führenden Gartencenter Österreichs gemacht. Eine Erfolgsgeschichte wie aus dem Bilderbuch …

Natürlich freue ich mich über Erfolge in meiner Laufbahn. Erfolgreich zu sein heißt für mich aber auch, dass die Mitarbeiter mit ihrer Tätigkeit und ihrem Verdienst zufrieden sind und sich im Unternehmen wohlfühlen. Wenn diese Faktoren im Großen und Ganzen stimmen, dann kann das viel zur eigenen Zufriedenheit beitragen.
 

Ansichten, die im Wirtschaftsleben vermutlich keine Selbstverständlichkeit sind?

Ich glaube, dass Wertschätzung, Menschlichkeit und Ethik gerade auch im wirtschaftlichen Leben enorm wichtig sind. Diese Werte brauchen wir im täglichen Zusammenleben, weil wir so überhaupt erst in der Lage sind, uns sozial zu verhalten. Das ist in einer Familie wichtig, aber auch in einem Unternehmen. Für mich wäre es unvorstellbar, ein Unternehmen ausschließlich auf Gewinnmaximierung orientiert, ohne soziales Empfinden, zu leiten.

Sie sind Aufsichtsratsvorsitzende eines international tätigen Industriekonzerns mit mehr als 7.000 Mitarbeitern weltweit. Daneben haben Sie im Alleingang die Firma bellaflora aufgebaut und zum führenden Gartencenter Österreichs gemacht. Eine Erfolgsgeschichte wie aus dem Bilderbuch …

Natürlich freue ich mich über Erfolge in meiner Laufbahn. Erfolgreich zu sein heißt für mich aber auch, dass die Mitarbeiter mit ihrer Tätigkeit und ihrem Verdienst zufrieden sind und sich im Unternehmen wohlfühlen. Wenn diese Faktoren im Großen und Ganzen stimmen, dann kann das viel zur eigenen Zufriedenheit beitragen.
 

Ansichten, die im Wirtschaftsleben vermutlich keine Selbstverständlichkeit sind?

Ich glaube, dass Wertschätzung, Menschlichkeit und Ethik gerade auch im wirtschaftlichen Leben enorm wichtig sind. Diese Werte brauchen wir im täglichen Zusammenleben, weil wir so überhaupt erst in der Lage sind, uns sozial zu verhalten. Das ist in einer Familie wichtig, aber auch in einem Unternehmen. Für mich wäre es unvorstellbar, ein Unternehmen ausschließlich auf Gewinnmaximierung orientiert, ohne soziales Empfinden, zu leiten.

Herausforderungen sind immer gut, denn nur wenn man gefordert wird, entwickelt man sich weiter.
Hilde Umdasch

Die Firma Umdasch haben Sie von Ihrem Vater übernommen, bellaflora selbst aufgebaut. Das eine ist ein Industriekonzern, im anderen werden Pflanzen und Gartenzubehör verkauft. Wie kam es zu dieser „Mischung”?

Die Gründung von bellaflora war sicher ein mutiger Schritt damals – auch ein Experiment. Dass ich sie mit tüchtigen, engagierten Mitarbeitern erfolgreich aufbauen konnte, war für mich eine neue Erfahrung und sehr schöne Bestätigung. Natürlich hat mir die Tätigkeit und Erfahrung in unserem Unternehmen dabei viel geholfen, aber das war ja dann doch eine ganz andere Branche, mit der ein Industrieunternehmen nicht vergleichbar ist.
 

Und Sie haben es trotzdem gewagt …

Ja, wir sind zuvor viel herumgereist und haben uns angeschaut, welche Möglichkeiten es gibt. In Deutschland und in der Schweiz gab es ja schon Gartencenter, bei uns war Selbstbedienung in einem Pflanzenmarkt in den 1970er Jahren noch undenkbar. Wir haben es trotzdem ausprobiert und waren damit die Ersten in Österreich.
 

Und jetzt sind Sie die Ersten, die chemisch-synthetische Düngemittel und Pestizide komplett aus dem Sortiment genommen haben und nur mehr natürlich-biologische Produkte wie etwa Effektive Mikroorganismen verkaufen.

Das war natürlich am Anfang ein ziemlicher Diskussionsprozess, bei dem viel Überzeugungsarbeit nötig war. Es war eine Entscheidung, die Mut brauchte. Aber dennoch: Dieser Schritt spiegelt unsere Einstellung wider. Man muss Positives beitragen, um Positives zu bewirken. Ich denke, dass man nur glaubwürdig sein kann, wenn man etwas aus tiefster Überzeugung macht und sich nicht nur ein „grünes Mäntelchen” umhängt.

Die Firma Umdasch haben Sie von Ihrem Vater übernommen, bellaflora selbst aufgebaut. Das eine ist ein Industriekonzern, im anderen werden Pflanzen und Gartenzubehör verkauft. Wie kam es zu dieser „Mischung”?

Die Gründung von bellaflora war sicher ein mutiger Schritt damals – auch ein Experiment. Dass ich sie mit tüchtigen, engagierten Mitarbeitern erfolgreich aufbauen konnte, war für mich eine neue Erfahrung und sehr schöne Bestätigung. Natürlich hat mir die Tätigkeit und Erfahrung in unserem Unternehmen dabei viel geholfen, aber das war ja dann doch eine ganz andere Branche, mit der ein Industrieunternehmen nicht vergleichbar ist.
 

Und Sie haben es trotzdem gewagt …

Ja, wir sind zuvor viel herumgereist und haben uns angeschaut, welche Möglichkeiten es gibt. In Deutschland und in der Schweiz gab es ja schon Gartencenter, bei uns war Selbstbedienung in einem Pflanzenmarkt in den 1970er Jahren noch undenkbar. Wir haben es trotzdem ausprobiert und waren damit die Ersten in Österreich.
 

Und jetzt sind Sie die Ersten, die chemisch-synthetische Düngemittel und Pestizide komplett aus dem Sortiment genommen haben und nur mehr natürlich-biologische Produkte wie etwa Effektive Mikroorganismen verkaufen.

Das war natürlich am Anfang ein ziemlicher Diskussionsprozess, bei dem viel Überzeugungsarbeit nötig war. Es war eine Entscheidung, die Mut brauchte. Aber dennoch: Dieser Schritt spiegelt unsere Einstellung wider. Man muss Positives beitragen, um Positives zu bewirken. Ich denke, dass man nur glaubwürdig sein kann, wenn man etwas aus tiefster Überzeugung macht und sich nicht nur ein „grünes Mäntelchen” umhängt.

Wie bewerten Sie diese Entscheidung heute, rund ein Jahr nach der Umstellung?

Wir stehen dazu und hoffen, dass wir viele Menschen überzeugen können, dass es sinnvoll ist, Chemie aus dem Garten zu verbannen. Im Grunde haben wir damit ja auch einen Trend gesetzt – das hat viele Vorteile. Aber nicht zuletzt hat das auch unsere Identität und Glaubwürdigkeit gestärkt. Unsere Mitarbeiter tragen das mit, glauben daran und stehen dazu. Es gibt viele, die sagen: „Jetzt bin ich noch stolzer bei bellaflora zu arbeiten.”
 

Wie sind die Rückmeldungen in Bezug auf Effektive Mikroorganismen?

Das Interesse ist enorm gestiegen. Wichtig ist, den Mut dazu zu haben – und dann auch konsequent dabei zu bleiben.
 

Noch eine mutige Entscheidung also, die sich gelohnt hat?

Herausforderungen sind immer gut, denn nur wenn man gefordert wird, entwickelt man sich weiter. Und das ist notwendig, wenn man zu den Besten gehören will.
 

Niemals gescheitert?

Doch natürlich, scheitern ist ein Prozess, den man im Leben machen muss. Auch ich habe nicht lauter Superentscheidungen getroffen. Das Wichtigste dabei ist, dass man daraus lernt und Fehler kein zweites und drittes Mal macht. Tatsache ist aber auch, dass man sich immer wieder trauen muss, etwas zu versuchen. Am Ende ist es ja oft auch so, dass aus scheinbar Negativem etwas Positives entsteht. Manchmal bringt einen das auf einen guten Weg, den man vorher vielleicht gar nicht gesehen hatte.

Sie wirken sehr gelassen. Einer der Vorteile Ihrer jahrelangen Berufserfahrung?

Oje, ich fürchte, so gelassen bin ich gar nicht. Natürlich ärgere ich mich heute nicht mehr über Dinge, bei denen ich von vornherein weiß, dass es sinnlos ist. Aber wenn Menschen mich zum Beispiel bewusst enttäuschen, bin ich genauso emotional wie früher. Aber das Ganze hat auch eine andere Seite: Man darf nicht anfangen zu denken, dass ohnehin alles zu spät ist. Man muss zeit seines Lebens bereit sein, Risiken einzugehen – und interessiert bleiben!
 

Apropos Interesse, welchen Stellenwert hat eigentlich der Garten für Sie persönlich?

Der ist sehr wichtig für mich, zu dieser Leidenschaft hat sicher bellaflora beigetragen. Ich genieße es, im Garten zu arbeiten, das entspannt mich und ich kann dabei über alles Mögliche nachdenken. Auch wenn mir danach meistens alles wehtut und ich Muskeln spüre, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie habe – ich freue mich riesig über all die Blumen, Sträucher und meinen Teich. In einem Garten wird einem erst so richtig bewusst, wie wunderbar die Natur ist.

Sie wirken sehr gelassen. Einer der Vorteile Ihrer jahrelangen Berufserfahrung?

Oje, ich fürchte, so gelassen bin ich gar nicht. Natürlich ärgere ich mich heute nicht mehr über Dinge, bei denen ich von vornherein weiß, dass es sinnlos ist. Aber wenn Menschen mich zum Beispiel bewusst enttäuschen, bin ich genauso emotional wie früher. Aber das Ganze hat auch eine andere Seite: Man darf nicht anfangen zu denken, dass ohnehin alles zu spät ist. Man muss zeit seines Lebens bereit sein, Risiken einzugehen – und interessiert bleiben!
 

Apropos Interesse, welchen Stellenwert hat eigentlich der Garten für Sie persönlich?

Der ist sehr wichtig für mich, zu dieser Leidenschaft hat sicher bellaflora beigetragen. Ich genieße es, im Garten zu arbeiten, das entspannt mich und ich kann dabei über alles Mögliche nachdenken. Auch wenn mir danach meistens alles wehtut und ich Muskeln spüre, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie habe – ich freue mich riesig über all die Blumen, Sträucher und meinen Teich. In einem Garten wird einem erst so richtig bewusst, wie wunderbar die Natur ist.

Zur Person

Die Niederösterreicherin hat Wirtschaft und Sprachen studiert und stieg im Alter von 24 Jahren ins Familienunternehmen Umdasch ein. Der Amstettner Industriekonzern ist mit Schalungen und Ladenbau weltweit erfolgreich, beschäftigt mehr als 7.000 Menschen und ist derzeit in 70 Ländern aktiv. Nach dem Tod des Vaters 1990 übernahm Hilde Umdasch als Vorstandsvorsitzende die Leitung des Konzerns. „Dass eine Frau eine Firma in dieser Branche führt, war lange keine Selbstverständlichkeit. Das hat schon manchmal zu Irritationen bei Männern geführt”, erzählt sie. 1978 gründete Hilde Umdasch die Gartenfachmarkt-Kette bellaflora, mit aktuell 26 Standorten in ganz Österreich und mehr als 500 Mitarbeitern. Ihre Philosophie: „Man muss Positives beitragen, um Positives zu bewirken. Ich denke, dass man nur glaubwürdig sein kann, wenn man etwas tut und sich dafür nicht nur ein ‚grünes Mäntelchen’ umhängt.” Nicht nur im wirtschaftlichen Leben sind Wertschätzung, Transparenz und Ethik für sie wichtig – auch außerhalb der Firma ist ihr soziales Engagement groß: „Ich sehe es als Verpflichtung, die einfach zu meinem Leben gehört und auch in meiner Familie schon lange Tradition hat.”

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