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Multikosmos: Effizienz statt Wachstum

Ein neuer Blick auf die Zukunft der Landwirtschaft - Im Gespräch mit Prof. Dr. Wilhelm Windisch

Die Vorstellung, dass Fortschritt unweigerlich mit Wachstum gleichzusetzen wäre, ist in vielen Köpfen tief verankert. Doch angesichts einer Landwirtschaft mit knapper werdenden Ressourcen, steigendem Klimadruck und der Konfrontation mit ökologischen Grenzen macht sich immer stärker ein Umdenken breit: Landwirtschaften im Einklang mit der Natur.

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Prof. Dr. Wilhelm Windisch, Agrarwissenschaftler und Professor für Tierernährung, erzählt in unserem Gespräch, warum Beständigkeit nicht aus Wachstum entsteht, sondern aus einem bewussten Umgang mit Ressourcen und natürlichen Kreisläufen. „Wir müssen nicht wachsen, wir müssen effizienter werden“, ist er überzeugt. Seine Sichtweise eröffnet einen menschlichen, hoffnungsvollen Blick auf die Landwirtschaft von morgen; eine, in der wir weniger nehmen müssen, um langfristig mehr herauszubekommen.

Prof. Dr. Wilhelm Windisch, Agrarwissenschaftler und Professor für Tierernährung, erzählt in unserem Gespräch, warum Beständigkeit nicht aus Wachstum entsteht, sondern aus einem bewussten Umgang mit Ressourcen und natürlichen Kreisläufen. „Wir müssen nicht wachsen, wir müssen effizienter werden“, ist er überzeugt. Seine Sichtweise eröffnet einen menschlichen, hoffnungsvollen Blick auf die Landwirtschaft von morgen; eine, in der wir weniger nehmen müssen, um langfristig mehr herauszubekommen.

Lieber Herr Windisch, was bedeutet für Sie Beständigkeit in der Landwirtschaft?

Es gibt drei Betrachtungsweisen von Beständigkeit: Für die Bevölkerung, die von den Erzeugnissen der Landwirtschaft lebt, heißt das, dass die Versorgung mit Lebensmitteln nie ausgeht. Sie müssen sich keine Gedanken darüber machen, ob ihre Lebensmittel morgen auch noch in den Regalen stehen. Für Landwirtinnen und Landwirte ist Beständigkeit per se kein Ziel, sondern sie leben davon. Beständigkeit ist die Grundvoraussetzung für beispielsweise einen neuen Stall oder die Wahl der Fruchtfolge. Jede Investition wirkt sich auf die kommenden Jahrzehnte aus. Die Dritte ist die Beständigkeit der Ressourcen. Aus menschlicher Sicht sind Ressourcen theoretisch unendlich. Aber wir müssen Sorge tragen, dass das auch so bleibt und beispielsweise fruchtbare Böden erhalten werden. Für echte Beständigkeit müssen alle drei Sichtweisen im Einklang stehen.

Es gibt drei Betrachtungsweisen von Beständigkeit: Für die Bevölkerung, die von den Erzeugnissen der Landwirtschaft lebt, heißt das, dass die Versorgung mit Lebensmitteln nie ausgeht. Sie müssen sich keine Gedanken darüber machen, ob ihre Lebensmittel morgen auch noch in den Regalen stehen. Für Landwirtinnen und Landwirte ist Beständigkeit per se kein Ziel, sondern sie leben davon. Beständigkeit ist die Grundvoraussetzung für beispielsweise einen neuen Stall oder die Wahl der Fruchtfolge. Jede Investition wirkt sich auf die kommenden Jahrzehnte aus. Die Dritte ist die Beständigkeit der Ressourcen. Aus menschlicher Sicht sind Ressourcen theoretisch unendlich. Aber wir müssen Sorge tragen, dass das auch so bleibt und beispielsweise fruchtbare Böden erhalten werden. Für echte Beständigkeit müssen alle drei Sichtweisen im Einklang stehen.

Für echte Beständigkeit müssen alle drei Sichtweisen im Einklang stehen.
Prof. Dr. Wilhelm Windisch
Agrarwissenschaftler und Professor für Tierernährung

Ist dieser Einklang bedroht?

Nicht bedroht, aber keine Selbstverständlichkeit. Es dauert ewig, bis ein Stück Land fruchtbar ist. Haben wir beispielsweise zu wenige Rinder und damit zu niedrigen Fraßdruck auf den Almen, verwalden sie, wenn nicht maschinell nachgeholfen wird. Diese Flächen können wir nicht einfach bei Bedarf roden und sofort wieder nutzen. Das sind jahrzehntelange Prozesse. Auch der Klimawandel raubt im Grunde genommen so unsere Ressourcen. Die Sahara breitet sich enorm aus, gleichzeitig tauen die Böden in Sibirien auf und Flächen werden freigelegt. Das sind aber keine Ackerböden. Wenn sich Nutzflächen nur verschieben würden, hätten wir nicht das große Problem. Das Problem ist, dass wir Nutzfläche komplett verlieren – und das sorgt für Unbeständigkeit von globalem Ausmaß. Die Sahara und Sibirien sind zwar weit weg, aber die neuen Klimabedingungen sorgen dafür, dass sich auch bei uns beispielsweise neue Schädlinge breit machen. Und das ist eine Katastrophe für die heimische Landwirtschaft.

Nicht bedroht, aber keine Selbstverständlichkeit. Es dauert ewig, bis ein Stück Land fruchtbar ist. Haben wir beispielsweise zu wenige Rinder und damit zu niedrigen Fraßdruck auf den Almen, verwalden sie, wenn nicht maschinell nachgeholfen wird. Diese Flächen können wir nicht einfach bei Bedarf roden und sofort wieder nutzen. Das sind jahrzehntelange Prozesse. Auch der Klimawandel raubt im Grunde genommen so unsere Ressourcen. Die Sahara breitet sich enorm aus, gleichzeitig tauen die Böden in Sibirien auf und Flächen werden freigelegt. Das sind aber keine Ackerböden. Wenn sich Nutzflächen nur verschieben würden, hätten wir nicht das große Problem. Das Problem ist, dass wir Nutzfläche komplett verlieren – und das sorgt für Unbeständigkeit von globalem Ausmaß. Die Sahara und Sibirien sind zwar weit weg, aber die neuen Klimabedingungen sorgen dafür, dass sich auch bei uns beispielsweise neue Schädlinge breit machen. Und das ist eine Katastrophe für die heimische Landwirtschaft.

Wie steht es dann um die Beständigkeit unserer Landwirtschaft?

Wir haben über die Fruchtfolge hinweg, absolut gesehen, steigende Ernten. Aber der Ertrag pro Hektar steht seit 15 bis 20 Jahren still. Also wir haben einen gleichbleibenden Ertrag trotz deutlicher Zuchtfortschritte. Warum? - Weil Umweltfaktoren wie anhaltender Starkregen für Qualitätsverluste sorgen und diesen Fortschritt zunichtemachen. Unser derzeitiges System ist eine Rolltreppe nach unten. Um auf der gleichen Höhe zu bleiben, müssen wir umso schneller nach oben laufen, je schneller sie nach unten fährt. Das ist nicht nachhaltig und endet in Erschöpfung und Untergang. Wir sind es normalerweise gewohnt, dass Katastrophen über das Land schwappen und wenn sie zurückgehen, bauen wir neu auf. Das ist beim Klimawandel nicht der Fall. Die Kosten unseres Handelns zahlen unzählige nachkommende Generationen. Um einzulenken, gäbe es nur eine Lösung, die aber so radikal ist, dass sie niemand machen möchte: echte Kreislaufwirtschaft.
 

Was bedeutet echte Kreislaufwirtschaft?

Echte Kreislaufwirtschaft kann man sich so vorstellen: Wir sind auf einem Segelboot und können nie wieder einen Hafen ansteuern. Alles, was wir wegwerfen, ist unwiederbringlich verloren – deshalb müssen wir Ressourcen so wählen und nutzen, dass sie in der Kaskade wiederverwendet oder recycelt werden können. Es geht darum, nur das Nötigste mitzunehmen, Abfall zu vermeiden und maximale Effizienz zu erreichen. Dazu zählt auch die Energie. Fossile Energie produziert auch Abfall in Form von CO2, das wir in der Atmosphäre „deponieren“ – deshalb dürften wir nur Sonne und Wind verwenden. Im Gegensatz dazu leben wir heute aber so, als könnten wir jederzeit neue Ressourcen „im nächsten Hafen“ holen – was der Idee echter Kreislaufwirtschaft widerspricht.

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Wo könnten wir im Kleinen ansetzen?

Pflanzliche Nahrung produziert immer auch nicht essbare Biomasse. Wir müssen überlegen: Was machen wir damit? Das ist wertvolles Material, das wir nur nicht selbst essen können. Wenn wir uns die Nutzungsmöglichkeiten der gesamten Pflanze ansehen, haben wir eine Nutzungskaskade von Teller zu Trog zu Tank. Die primäre Nutzung ist immer der direkte Weg auf den menschlichen Teller, also der Verzehr von pflanzlicher Nahrung. Die sekundäre ist die Transformation beispielsweise zu Nutztierfutter, wodurch wiederum Lebensmittel entstehen. Erst am Ende der Biomasse-Nutzung steht die Verwertung zur Energiegewinnung.
Kurz gesagt: Fakt ist, wir haben Biomasse, die nicht auf unseren Tellern landet und Nutztiere sind die nächstbeste Möglichkeit, um diese effizient weiterzuverwerten.
 

Wenn wir uns den Umgang mit Nutztieren ansehen: wie können wir diesen „effizienter“ gestalten?

Die größten Hebel sind Tiergesundheit und Tierwohl. Wir müssen uns eingestehen: unsere Tiere leben nicht so lange, wie sie könnten. Schauen wir uns die Abgangsursachen an: Mastitis, Klauen und Pansenazidose. Der Grund ist meist ein zu hoher Kraftfutteranteil. Das liegt an der Leistung, die sie bringen müssen. Das heißt nicht, dass eine Kuh mit einer Leistung von 12.000 Liter Milch schlecht ist, aber sie kann nicht doppelt so viel fressen, wie eine mit 7.000. Deshalb werden sie mit Kraftfutter ernährt. Aber die Kuh muss auch gesund sein, damit sie die Leistung körperlich schafft. Die Krux ist, dass bei einem hohen Kraftfutteranteil der Faseranteil gering ist, also das, wofür ihr Verdauungstrakt „gebaut“ ist. Das sorgt für Schwierigkeiten in den Vormägen. Und die führen wiederum zu den genannten Abgangsursachen. Heumilchbäuerinnen und -bauern machen es zum Beispiel anders: sie begrenzen den Kraftfutteranteil sehr stark, füttern aber hochqualitatives Heu, das so faser-, nährstoff- und eiweißreich ist, dass es schon fast als halbes Kraftfutter durchgehen könnte. Das Ergebnis: die Kühe haben weniger Krankheiten, leben länger und es braucht weniger Nachzucht. Das System ist auf einmal effizienter.

Pflanzliche Nahrung produziert immer auch nicht essbare Biomasse. Wir müssen überlegen: Was machen wir damit? Das ist wertvolles Material, das wir nur nicht selbst essen können. Wenn wir uns die Nutzungsmöglichkeiten der gesamten Pflanze ansehen, haben wir eine Nutzungskaskade von Teller zu Trog zu Tank. Die primäre Nutzung ist immer der direkte Weg auf den menschlichen Teller, also der Verzehr von pflanzlicher Nahrung. Die sekundäre ist die Transformation beispielsweise zu Nutztierfutter, wodurch wiederum Lebensmittel entstehen. Erst am Ende der Biomasse-Nutzung steht die Verwertung zur Energiegewinnung.
Kurz gesagt: Fakt ist, wir haben Biomasse, die nicht auf unseren Tellern landet und Nutztiere sind die nächstbeste Möglichkeit, um diese effizient weiterzuverwerten.
 

Wenn wir uns den Umgang mit Nutztieren ansehen: wie können wir diesen „effizienter“ gestalten?

Die größten Hebel sind Tiergesundheit und Tierwohl. Wir müssen uns eingestehen: unsere Tiere leben nicht so lange, wie sie könnten. Schauen wir uns die Abgangsursachen an: Mastitis, Klauen und Pansenazidose. Der Grund ist meist ein zu hoher Kraftfutteranteil. Das liegt an der Leistung, die sie bringen müssen. Das heißt nicht, dass eine Kuh mit einer Leistung von 12.000 Liter Milch schlecht ist, aber sie kann nicht doppelt so viel fressen, wie eine mit 7.000. Deshalb werden sie mit Kraftfutter ernährt. Aber die Kuh muss auch gesund sein, damit sie die Leistung körperlich schafft. Die Krux ist, dass bei einem hohen Kraftfutteranteil der Faseranteil gering ist, also das, wofür ihr Verdauungstrakt „gebaut“ ist. Das sorgt für Schwierigkeiten in den Vormägen. Und die führen wiederum zu den genannten Abgangsursachen. Heumilchbäuerinnen und -bauern machen es zum Beispiel anders: sie begrenzen den Kraftfutteranteil sehr stark, füttern aber hochqualitatives Heu, das so faser-, nährstoff- und eiweißreich ist, dass es schon fast als halbes Kraftfutter durchgehen könnte. Das Ergebnis: die Kühe haben weniger Krankheiten, leben länger und es braucht weniger Nachzucht. Das System ist auf einmal effizienter.

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Können wir sagen, Landwirtinnen und Landwirte müssten einfach weniger Kraftfutter füttern, um effizienter zu werden?

Nicht unbedingt, aber sie müssten die Fütterung gezielt ausrichten. Kraftfutter ist nicht grundsätzlich schlecht – es liefert wichtige Nährstoffe, die im Grobfutter oft fehlen, insbesondere essenzielle Aminosäuren. Entscheidend ist das Verhältnis: Nur wenn die Tiere genau das bekommen, was ihr Stoffwechsel benötigt, bleiben sie gesund und die Nährstoffverwertung effizient. Eine unausgewogene Fütterung führt dagegen zu erhöhten Stickstoffemissionen und mindert die Effizienz. Nur auf die Steigerung der Milchleistung, anstatt auf die Tiergesundheit zu achten, ist also problematisch. Das heißt, wir müssen den Tieren nicht einfach mehr füttern, sondern mehr von dem, was sie wirklich benötigen. Zusätzliche Aminosäuren haben in der industriellen Herstellung zwar einen relativ hohen Fußabdruck, aber schon in kleinen Mengen einen großen Effekt. So machen sie das System in Summe effizienter. Die meisten können heute aber größtenteils biologisch über Mikroorganismen hergestellt werden, nur Methionin wird chemisch produziert. Durch eine gezielte Ergänzung lässt sich der Futtereinsatz also bei gleicher Leistung reduzieren. Qualität statt Menge ist also der Schlüssel.

Wenn wir uns in diesem Zusammenhang den Boden anschauen: Wie achten wir darauf, diesen gesund und effizient zu halten?

Ein gesunder Boden braucht vor allem Schutz vor Verdichtung und Erosion sowie mehr Resilienz gegenüber Trockenheit, Hitze und Überschwemmungen. Entscheidend sind dauerhaft bedeckte Flächen, vielfältige Fruchtfolgen und Zwischenfrüchte, die den Boden kühlen, Wasser speichern und die Biodiversität fördern – damit bekommt man auch die Stickstoffsammlung in den Griff. Dabei kann der Ertrag zwar über die Jahre der Fruchtfolge sinken, aber die Böden bleiben langfristig fruchtbarer und ertragssicherer. Nutztiere spielen in diesem Kreislauf eine wichtige, aber oft missverstandene Rolle. Dass es sie für die Düngung der Äcker braucht, ist ein verkürzter Ansatz. In der nicht essbaren Biomasse stecken Nährstoffe, die wieder auf den Acker zurückgeführt werden müssen. Dazu haben wir drei Möglichkeiten: wir können die Biomasse verrotten lassen, in eine Biogasanlage bringen und die Gärreste verteilen oder sie an Nutztiere verfüttern und den Wirtschaftsdünger ausbringen. Am effizientesten ist die Düngewirkung dann, wenn sie zum Zyklus des Pflanzenwachstums passt. Das heißt, wir brauchen lagerbaren Dünger. Biogasanlagen liefern dabei Energie, Nutztiere zusätzlich Lebensmittel – beides erzeugt wertvollen Dünger. Insofern sind beide Quellen gleichwertig wertvoll. Aber es gibt einen Unterschied im Output: In der Biogasanlage gewinnen wir Strom, aus den Nutztieren zusätzliche Lebensmittel. Effizienter ist damit die Verfütterung. Aktuell nutzen wir weltweit etwa 40 %, in Deutschland knapp 60 % und in Österreich etwa 50 % der Ackerflächen für den Anbau von Futtermitteln. Wir verfüttern quasi von jedem Kilo Brot die Hälfte an Nutztiere. Effizienter wäre, nur so viel Milch und Fleisch zu produzieren, wie dieses eine Kilo Brot an nicht essbarer Biomasse abwirft. So ergäbe sich automatisch ein ausgewogener Mix aus pflanzlichem und tierischem Lebensmittel – angepasst an Standort und Bodenbedingungen.

Ein gesunder Boden braucht vor allem Schutz vor Verdichtung und Erosion sowie mehr Resilienz gegenüber Trockenheit, Hitze und Überschwemmungen. Entscheidend sind dauerhaft bedeckte Flächen, vielfältige Fruchtfolgen und Zwischenfrüchte, die den Boden kühlen, Wasser speichern und die Biodiversität fördern – damit bekommt man auch die Stickstoffsammlung in den Griff. Dabei kann der Ertrag zwar über die Jahre der Fruchtfolge sinken, aber die Böden bleiben langfristig fruchtbarer und ertragssicherer. Nutztiere spielen in diesem Kreislauf eine wichtige, aber oft missverstandene Rolle. Dass es sie für die Düngung der Äcker braucht, ist ein verkürzter Ansatz. In der nicht essbaren Biomasse stecken Nährstoffe, die wieder auf den Acker zurückgeführt werden müssen. Dazu haben wir drei Möglichkeiten: wir können die Biomasse verrotten lassen, in eine Biogasanlage bringen und die Gärreste verteilen oder sie an Nutztiere verfüttern und den Wirtschaftsdünger ausbringen. Am effizientesten ist die Düngewirkung dann, wenn sie zum Zyklus des Pflanzenwachstums passt. Das heißt, wir brauchen lagerbaren Dünger. Biogasanlagen liefern dabei Energie, Nutztiere zusätzlich Lebensmittel – beides erzeugt wertvollen Dünger. Insofern sind beide Quellen gleichwertig wertvoll. Aber es gibt einen Unterschied im Output: In der Biogasanlage gewinnen wir Strom, aus den Nutztieren zusätzliche Lebensmittel. Effizienter ist damit die Verfütterung. Aktuell nutzen wir weltweit etwa 40 %, in Deutschland knapp 60 % und in Österreich etwa 50 % der Ackerflächen für den Anbau von Futtermitteln. Wir verfüttern quasi von jedem Kilo Brot die Hälfte an Nutztiere. Effizienter wäre, nur so viel Milch und Fleisch zu produzieren, wie dieses eine Kilo Brot an nicht essbarer Biomasse abwirft. So ergäbe sich automatisch ein ausgewogener Mix aus pflanzlichem und tierischem Lebensmittel – angepasst an Standort und Bodenbedingungen.

Also die Gesundheit unserer Böden und Nutztiere ist eng mit deren Leistung verbunden?

Ja, wir haben eine falsche Idee von Effizienz verinnerlicht. Denken wir an unsere Autos, sie werden immer effizienter – gleichzeitig immer schwerer und größer. Das heißt, sie sind nur theoretisch effizienter, konsumieren aber in Summe gleich viel Sprit. Und so machen wir es auch bei Nutztieren, weil die Ressourcen für die Produktion nicht limitiert sind. Das ist unser aktuelles System: lineare Wirtschaft, das Gegenstück zu Kreislaufwirtschaft. Bei Kreislaufwirtschaft gehen wir von einer begrenzten Menge an primären Ressourcen aus. Wir würden überlegen, wie maximieren wir den Gewinn oder den Output – dann würden die Autos mit besserer Effizienz trotzdem nicht größer werden. Unser Gedanke von Effizienz ist durch die lineare Wirtschaft total verschoben.

Ja, wir haben eine falsche Idee von Effizienz verinnerlicht. Denken wir an unsere Autos, sie werden immer effizienter – gleichzeitig immer schwerer und größer. Das heißt, sie sind nur theoretisch effizienter, konsumieren aber in Summe gleich viel Sprit. Und so machen wir es auch bei Nutztieren, weil die Ressourcen für die Produktion nicht limitiert sind. Das ist unser aktuelles System: lineare Wirtschaft, das Gegenstück zu Kreislaufwirtschaft. Bei Kreislaufwirtschaft gehen wir von einer begrenzten Menge an primären Ressourcen aus. Wir würden überlegen, wie maximieren wir den Gewinn oder den Output – dann würden die Autos mit besserer Effizienz trotzdem nicht größer werden. Unser Gedanke von Effizienz ist durch die lineare Wirtschaft total verschoben.

Das heißt, wir können durch Kreislaufwirtschaft unsere Produktion sichern, ohne zusätzliche Flächen zu erschließen?

Genau, wir müssen nicht wachsen, aber effizienter werden. Ein SUV ist nicht per se „böse“, wenn er beispielsweise mit Solarstrom vom eigenen Dach betrieben wird. Effizienz geht immer mit dem Gedanken der Limitiertheit einher. In der Landwirtschaft gibt es eine Rechnung: 70 % der weltweit gehaltenen Nutztiere stehen in Entwicklungsländern, dieser enorme Anteil produziert in Summe aber nur 30 % der weltweiten Lebensmittel. Der Unterschied liegt weitreichend an der Tiergesundheit und -management. Deshalb „verschwenden“ sie enorm viele Ressourcen und den CO₂-Fußabdruck pro Kilo Fleisch stark erhöht. Die Abgänge und Nachzucht sind dort einfach enorm.
 

Wieso setzt man nicht hier an?

Das Problem ist das Motto der linearen Wirtschaft: Wachse oder weiche. Felder und Maschinen werden immer größer, weil das Produkt selbst nichts mehr kostet. Bei den billigen Preisen müssen die Landwirtinnen und Landwirte also die Output-Menge erhöhen. Das führt dazu, dass sie immer weiter wachsen müssen. Lineare Wirtschaft schafft weltweite Standards – damit gibt es am Ende nur noch einen einzigen, großen Produzenten; einen „Bill Gates oder Elon Musk“, wenn man so möchte. Das ist die „Effizienz“ der linearen Wirtschaft. Der Effizienzgedanke der Kreislaufwirtschaft hingegen arbeitet gegen Monopole und fokussiert sich darauf, dass es viele kleine lokale Produzenten gibt.

Genau, wir müssen nicht wachsen, aber effizienter werden. Ein SUV ist nicht per se „böse“, wenn er beispielsweise mit Solarstrom vom eigenen Dach betrieben wird. Effizienz geht immer mit dem Gedanken der Limitiertheit einher. In der Landwirtschaft gibt es eine Rechnung: 70 % der weltweit gehaltenen Nutztiere stehen in Entwicklungsländern, dieser enorme Anteil produziert in Summe aber nur 30 % der weltweiten Lebensmittel. Der Unterschied liegt weitreichend an der Tiergesundheit und -management. Deshalb „verschwenden“ sie enorm viele Ressourcen und den CO₂-Fußabdruck pro Kilo Fleisch stark erhöht. Die Abgänge und Nachzucht sind dort einfach enorm.
 

Wieso setzt man nicht hier an?

Das Problem ist das Motto der linearen Wirtschaft: Wachse oder weiche. Felder und Maschinen werden immer größer, weil das Produkt selbst nichts mehr kostet. Bei den billigen Preisen müssen die Landwirtinnen und Landwirte also die Output-Menge erhöhen. Das führt dazu, dass sie immer weiter wachsen müssen. Lineare Wirtschaft schafft weltweite Standards – damit gibt es am Ende nur noch einen einzigen, großen Produzenten; einen „Bill Gates oder Elon Musk“, wenn man so möchte. Das ist die „Effizienz“ der linearen Wirtschaft. Der Effizienzgedanke der Kreislaufwirtschaft hingegen arbeitet gegen Monopole und fokussiert sich darauf, dass es viele kleine lokale Produzenten gibt.

Das heißt, Kreislaufwirtschaft ist der Weg zu mehr Unabhängigkeit in der Landwirtschaft?

Die Produktion wird immer lokal angepasst sein. Es kommt nur auf die Steigerung der Gesamteffizienz an. Und die lineare Wirtschaft lagert die Gesamteffizienz und -wirkung immer auf die Umwelt aus. Es bräuchte mehr Selbstverständnis für Kreislaufwirtschaft, um Beständigkeit zu erlangen. Wir müssen Effizienz so sehen, dass das Gesamtsystem besser wird, nicht nur Teilbereiche. Wir sehen uns aktuell nur an, wie effizient die einzelne Milchkuh ist, aber nicht den gesamte Betrieb. Die lineare Wirtschaft bringt uns dazu, immer mehr Kühe in immer höhere Leistungen zu selektieren. Das ist ineffizient, denn effizient können auch Nicht-Leistungsträger in ihrer eigenen Ebene sein, aber das blenden wir aus.
 

Und das führt vielleicht dazu, dass andere Bereiche nicht mehr effizient sind oder bestehen können?

Ja, genau. Dass wir uns den Klimawandel eingehandelt haben, mit all seinen Folgen für die nächsten Generationen, ist ja Ausdruck einer Fehlentwicklung. Und das, weil sich die lineare Wirtschaft nur auf einen Teil fokussiert, aber die globalen Folgen ignoriert. Und es kann durchaus sein, dass wir im Sinne der Kreislaufwirtschaft bestimmte Prozesse vermeintlich ineffizienter machen, aber zugunsten von anderen Prozessen und in Summe kommt im Gesamtsystem mehr heraus.

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Kurz zusammengefasst: Wie zahlt Kreislaufwirtschaft auf die Beständigkeit unserer Landwirtschaft ein?

Kreislaufwirtschaft ist die Methode. Beständigkeit ist das langfristige Resultat davon. Es ist also dasselbe.

Vielen Dank fürs Gespräch.

Kreislaufwirtschaft ist die Methode. Beständigkeit ist das langfristige Resultat davon. Es ist also dasselbe.

Vielen Dank fürs Gespräch.

Dieser Beitrag ist erstmals im Multikosmos Magazin Ausgabe 45 / Beständigkeit erschienen.
Die gesamte Ausgabe können Sie hier online nachlesen.

Dieser Beitrag ist erstmals im Multikosmos Magazin Ausgabe 45 / Beständigkeit erschienen.
Die gesamte Ausgabe können Sie hier online nachlesen.

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