Rainer Maché (Agrarwissenschaftler) über die Bodenchemie im positiven Sinn

25.03.16 Rainer Maché (Agrarwissenschaftler) über die Bodenchemie im positiven Sinn

Rainer Maché im Interview zum Thema Bodenchemie.

Bodenchemie im positiven Sinn

Multikosmos Ausgabe 00021

Herr Maché, Sie haben fast 40 Jahre lang in den DLG-Mitteilungen und danach in der von John Deere herausgegebenen Kundenzeitschrift Flur und Furche über alle Themen aus der Landwirtschaft berichtet und dabei viele neue Anstöße gegeben. Jetzt sind Sie in Pension, haben sich aber nicht zur Ruhe gesetzt, sondern den Boden in den Mittelpunkt ihres neuen Lebensabschnittes gestellt. Warum?

Der Boden ist vergleichbar mit dem Darm. So wie der Darm alles verdauen muss, was wir essen, so muss der Boden alles verarbeiten, was wir ihm als Dünge- und Pflanzenschutzmittel anbieten. Mein Darm hat mir Probleme bereitet, so dass ich mich mehreren Operationen und Therapien unterziehen musste. Indem ich als Agrarjournalist etwas Gutes für den Boden tue, trage ich mental auch zu meiner eigenen Genesung bei. Sowohl der Darm als auch der Boden beherbergen viele Milliarden Mikroorganismen. Sie versorgen uns mit Nährstoffen, bauen Schadstoffe ab, sind aber irgendwann überfordert, wenn wir nicht pfleglich mit ihnen umgehen. Die Folge davon sind Darmkrankheiten und Bodenschäden; beide sind nicht so leicht zu beheben.

Sie haben letztes Jahr das Buch „Hands-On Agronomy“ übersetzt und ergänzt. In dem Fachbuch geht es weniger um biologische Themen, sondern in erster Linie um die richtige Nährstoffversorgung. Warum reicht es nicht aus, den Boden vor allem durch den Verzicht auf synthetische Pflanzenschutzmittel und schnell wirkende Düngemittel auf Vordermann zu bringen, wie dies im biologischen Landbau versucht wird?

Die Bodenbiologie ist wichtig, aber nur eine von drei Säulen, auf der die Pflanzenproduktion ruht. Die erste, von der Natur vorgegebene Säule ist die Bodenphysik, sprich die Zusammensetzung des Bodens mit Sand, Schluff, Lehm und Ton. Die Bodenbiologie ist der Partner der Bodenphysik. Sie macht aus totem Gestein einen lebenden Organismus. Für mich ist der Boden ein lebender Organismus, der mehr ist als die Summe aus den verschiedenen Arten.

Damit aber die im Boden lebenden Regenwürmer, Springschwänze, Bakterien, Pilze und die vielen anderen Arten ihre Aufgaben erfüllen können, benötigen sie Nährstoffe und zwar nicht nur Stickstoff, Phosphor und Kali, sondern auch Kalzium, Schwefel, Magnesium und die vielen Spurenelemente. Das heißt nicht nur die Pflanzen, sondern auch die Bodenbewohner brauchen Nährstoffe, um leben und ihre Aufgaben bestmöglich ausführen zu können. Das bezeichne ich als Bodenchemie. Ich empfehle allen Anhängern des biologischen Landbaus, diesen Begriff nicht negativ zu sehen. Auch wir Menschen kommen nicht ohne Spurenelemente aus. Vielen ist bekannt, dass durch Magnesiummangel Muskelkrämpfe ausgelöst werden. Das Fehlen von Selen führt zu vermehrten Herzinfarkten. Zusätzliche Selen- und Zinkgaben werden auch bei Chemotherapien empfohlen.

Welche Düngeempfehlungen können Sie den biologisch wirtschaften Betrieben geben?

Die wichtigste Empfehlung ist eine gewissenhafte Bodenuntersuchung, die mehr analysiert als nur die Standardbodenprobe. Einen entscheidenden Einfluss übt das Nährstoffverhältnis im Boden aus.  So werden durch zu viel Kalzium die Spurenelemente Kalzium, Zink und Kupfer festgelegt; zu viel Phosphor blockiert Zink. Grundsätzlich werden bei der Untersuchung, wie sie in dem Buch „Hands-On Agronomy“ empfohlen wird, Düngemittel vorgeschlagen, die im biologischen Anbau zugelassen sind.

Und wie passen die Effektiven Mikroorganismen in das von Ihnen beschriebene System?

Da es im Boden und auf den Pflanzen nicht nur positiv wirkende Pilze und Bakterien gibt, ist es sinnvoll, die Schaderreger beispielsweise durch Effektive Mikroorganismen zurückzudrängen. Damit sind oft keine kurzfristigen Veränderungen zu erwarten; wer aber einen langen Atem hat, braucht nach einigen Jahren keine Fungizide mehr einzusetzen. Das hat mich besonders auf Obstbaubetrieben beeindruckt, die ich im Juli rund um Graz besucht habe. In konventionellen Apfelplantagen werden pro Saison durchschnittlich 24mal Fungizide gespritzt. Das fällt dann weg.

Rainer Maché ist freiberuflicher Agrarjournalist im VDAJ.
Rainer Maché hat nach dem Studium der Agrarwissenschaften fast 40 Jahre lang zuerst als angestellter Agrarjournalist für die „DLG-Mitteilungen“ und anschließend für die von John Deere herausgegebene Fachzeitschrift „Flur und Furche“ gearbeitet. Nach seiner Pensionierung im vergangenen Jahr hat er das Fachbuch „Hands-On Agronomy“ von Neal Kinsey, einem der weltweit führenden Experten für Bodenfruchtbarkeit und Pflanzenernährung, übersetzt und das Lektorat für das Fachbuch „Boden Signale“ des niederländischen Roodbont-Verlags übernommen.

Neal Kinsey, übersetzt und ergänzt durch Rainer Maché
„Hands-On Agronomy“ (der deutsche Begriff heißt „Praktischer Ackerbau“) bietet einen umfassenden Einblick in die Zusammenhänge zwischen Bodenfruchtbarkeit und Pflanzenernährung. Neal Kinsey ist ein weltweit tätiger Berater auf diesem Gebiet, der seit über 40 Jahren nur von seiner Dienstleistung lebt.

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