Italienische Weinkultur

24.03.16 Italienische Weinkultur

Biodynamische und benediktinische Methoden in der Lombardei

Italienische Weinkultur – Biodynamische und benediktinische Methoden des Weinbaus in der Lombardei

Multikosmos Ausgabe 00020

Der Weinbau in der Lombardei im Norden Italiens geht auf Etrusker, Veneter und Römer zurück. In der Antike berichtete schon der Dichter Vergil von Flüssen, Seen, Olivenbäumen, Reben und goldenen Getreidefeldern. Im sanften Hügelland südlich von Pavia liegt die kleine norditalienische Gemeinde Montù Beccaria mit ihren Weinbergen. Fährt man zur, auf einem spitzen Hügel von der Herrscherfamilie Beccaria im 12. Jahrhundert errichteten Burg, kann man den Bauern bei der Arbeit zwischen den Rebenreihen zusehen.

In Montù Beccaria betreibt auch Fausto Andi seine „azienda agricola biodinamica“, deren Pforten er gerne für Besucher öffnet. Die Gäste verweilen bei traditionellen lokalen Gerichten, hervorragenden Weinen und allerlei Wissenswertem zum Weinbau. Die Bewirtschaftung seines Bauernhofes erfolgt nach Prinzipien des ökologischen Landbaus, um mit den natürlichen Ressourcen des Ökosystems in Einklang zu arbeiten. Die gesamte Produktionskette ist biozertifiziert, sämtliche Weine werden mit bio-dynamischen Demeter-Methoden hergestellt.

Alte Traditionen

Für die Qualität seiner Produkte sind Herrn Andi die biologisch-dynamische Landwirtschaft und die Achtung biologischer Vielfalt ein großes Anliegen: “Ich will Weinreben vom jungen Weinstock-Setzling an sorgfältig begleiten. Vor zwanzig Jahren habe ich deshalb meinen Betrieb neu ausgerichtet. Ich bin der Ansicht, dass Weinreben sehr langlebig sein und mindestens an die vierzig Jahre - zwei Generationen also - produzieren sollen.” Wie auch im Obstbau heute üblich wird die Produktion im modernen Weinbau bereits nach zwei bis drei Jahren gestartet. Fausto Andi hingegen greift eine alte Tradition auf und beginnt die Produktion erst ab dem siebten Jahr. Es geht ihm hier vor allem darum, gesunde, an den jeweiligen Standort angepasste Pflanze zu entwickeln.  Damit schon von ganz zu Beginn an biologisch produziert wird, zieht  ein Bio-Winzerkollege in Friaul aus Samen Mutterpflanzen und macht davon Stecklinge.

Benediktinische Methode

Der experimentierfreudige Winzer hat nun ein weiteres, auf altem Wissen basierendes Projekt geplant: “Ich möchte einen acht Hektar großen Weingarten nach alter benediktinischer Tradition anlegen. Diese Anbaumethode entwickelten die Benediktiner  vor mehr als 500 Jahren mit großem Respekt vor der Natur. Sie erreichten damit ein Gleichgewicht ohne weitere Eingriffe.”

2002 wurden in der bedeutenden Weinbau-Versuchsanstalt von San Michele/Trento aus 36 verschiedenen autochtonen Rebsorten die besten sieben ausgewählt und aus diesen wiederum die beste Sorte davon: Moradella, die für ganz Italien sehr interessant ist und die es zur Zeit nur im Betrieb von Fausto Andi gibt.

In seinem benediktinischen Weingarten sollen ab 2016 die Sorte Moradella und zwei weitere aus diesen sieben Spitzensorten gedeihen.

Dabei gelten besonders folgende Prinzipien:

·        Die Weinstöcke werden nur auf besten, nach Süden ausgerichteten Hanglagen gepflanzt, auch wenn diese Hänge schwieriger zu bearbeiten sind.

·        Es wird auf die Durchlässigkeit des Bodens geachtet. Mit dem Bau von Steinwällen wird das Wasser besser gehalten.

·        Durch eine ganz bestimmte Anordnung von Weinreben mit vielen verschiedenen Obstbäumen, Kräutern und Blumen wird eine Symbiose geschaffen, mit der die Pflanzen optimal und gesund gedeihen können.

 

Auf diese Weise möchte er völlig natürlich gewachsene Reben heranziehen. Dass er Weinbau gänzlich ohne Einsatz von Schwefel oder Kupfer beteiben wie auch Weine ohne Schwefelzusatz produzieren kann, weiß er aufgrund seiner vielen Versuche bereits jetzt: “In der ersten Phase der Fermentation produzieren Mikroorganismen einen schwefelähnlichen Stoff in ausreichender Menge, der das natürliche Gleichgewicht für ein optimales Ergebnis reguliert .” erklärt Fausto Andi.

Der Einsatz der verschiedenen EM-Produkte erfolgt gemäß den Empfehlungen seines langjährigen Weinbauberaters Gianluigi Longatti, wobei an der Optimierung der Rezepte noch gefeilt wird.

Soziale Integration

Während die hervorragenden Weine und Konfitüren aus ökologischem Anbau den zahlreichen Gästen Gaumenfreuden bereiten, erfreut sich das Auge an den kunstvoll gestalteten Etiketten der Flaschen und Gläser. Fausto Andi und seine Frau Elisabetta, die eine Organisation für Menschen mit Beeinträchtigungen leitet, haben im Jahr 2006 das Projekt “Soziallabor” entwickelt. Eingebunden in das lebendige Geschehen am Hof helfen derzeit acht Menschen mit psycho-sozialen Problemen im Weinbau mit und bemalen kunstvoll die Etiketten der Flaschen und Gläser. Alle Weinsorten erhalten so ihre eigene Bemalung und die acht Künstler neben ihrem Gehalt große soziale Anerkennung. Mit der natürlichen und kreativen Arbeit lernen sie auch, ihren Alltag besser zu bewältigen. Fausto und Elisabetta Andi freuen sich, daß sie durch den respektvollen Umgang mit Natur und Mensch, diese stärken und weiter zu lebendigem Wachstum verhelfen können.

Kunstvoll bemalte Weinflaschen.

Mit der natürlichen und kreativen Arbeit lernen sie auch, ihren Alltag besser zu bewältigen. Fausto und Elisabetta erfreuen sich, daß sie durch den respektvollen Umgang mit der Natur und Mensch diese stärken und weiter zu lebendigem Wachstum verhelfen können.

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