Geglücktes Gartenleben mit der Kunst des Kompostierens

05.07.18 Geglücktes Gartenleben mit der Kunst des Kompostierens

Das Herz von Helga Wagner schlägt für den biologischen Gartenbau, den sie als langjährige Leiterin für Grünflächen des Linzer Stadtgartenamtes voller Tatkraft umsetzte. Mit der beständigen Kompostierung von organischen Materialien aus Gärten und Parkanlagen legte sie Pflanzen gute Erde zu Füßen. Die heute 94-jährige Gärtnerin kommt ihr ganzes Gartenleben lang ohne chemische Düngemittel und Pestizide aus.

Die Sonne scheint in die Zirbenholzstube in Leonding bei Linz. Auf dem Arbeitstisch stapeln sich Schriftstücke und rund um den grünen Kachelofen liegen Gartenbücher. Das Herz von Helga Wagner schlägt für den biologischen Gartenbau, den sie als langjährige Leiterin für Grünflächen des Linzer Stadtgartenamtes voller Tatkraft umsetzte. Mit der beständigen Kompostierung von organischen Materialien aus Gärten und Parkanlagen legte sie Pflanzen gute Erde zu Füßen. Die heute 94-jährige Gärtnerin kommt ihr ganzes Gartenleben lang ohne chemische Düngemittel und Pestizide aus.

Aufgewachsen ist Helga Wagner im Linzer Stadtteil Kleinmünchen. Neben der Kettenfabrik ihres Großvaters befand sich ein Gartenland, das ihre Mutter bewirtschaftete und schon als Mädchen betreute sie Gemüsebeete, Obstbäume und Nutztiere. In Bayern besuchte Helga Wagner die Landfrauenschule. Ihre Lehrzeit verbrachte sie unter anderem beim landwirtschaftlichen und gärtnerischen Betrieb Loheland bei Fulda in Hessen.

Biologisch-dynamisches Kompostieren

Hier fand Helga Wagner zu den Erkenntnissen, die sie ihr ganzes Leben lang prägen: "Ich lernte die Kompostierung, die Herstellung von pflanzlichen Kompostpräparaten und die Bearbeitung des Bodens auf biologisch-dynamische Weise kennen." Für die Herstellung von Komposterde werden den organischen Materialien Kompostpräparate aus Pflanzen wie Schafgarbe, Kamille, Brennessel, Eichenrinde, Löwenzahn und Baldrian hinzu gefügt. Mit ihren unterschiedlichen Inhaltsstoffen fördern sie die Verrottung im Kompost und den lebendigen Aufbau des Bodens.

"Mit diesem Gartenwissen als einprägsames Vorbild gewann ich sehr früh die Erkenntnis, dass der Weg ohne Chemie der für mich Richtige ist." Nach dem Besuch der Höheren Bundeslehr- und Versuchsanstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau in Klosterneuburg in Niederösterreich fand sie eine Anstellung in der Schweiz. Südlich von Basel, am Goetheanum in Dornach, Kanton Solothurn, vertiefte sie ihr Wissen über biologisch-dynamisches Wirtschaften.

Linzer Stadtgärten

Mit diesem Rüstzeug im Gepäck kam die bodenständige Gärtnerin 1951 nach Linz zum Stadtgartenamt. "Schon in der ersten Viertelstunde habe ich mich mit meinem Chef darauf verständigt, dass ich die biologisch-dynamische Kompostierung probieren möchte. Er war dem gegenüber aufgeschlossen und so haben wir im Hummelhofwald mit Gabeln die ersten Komposthaufen gewendet. Kompostmaterial hatten wir von den Linzer Stadtgärten immer genug." schildert Helga Wagner, die für 350 Hektar Grünflächen und 250 Mitarbeiter verantwortlich war und auch einen Teil des Botanischen Gartens plante. Zu ihren Tätigkeitsfeldern gehörte selbstverständlich die Pflege der Parkanlagen, Bäume und Sträucher. Blumen für sämtliche Linzer Parkanlagen wurden hauptsächlich selber gezogen und nur teilweise zugekauft.

"Während meiner Dienstzeit haben wir nicht einen Liter Gift gespritzt, nicht ein Kilo Kunstdünger verstreut, nicht ein Kilo Erde zugekauft. Die Kreislaufwirtschaft machte es möglich und wir stellten Komposterde von höchster Qualität her." Helga Wagner hat in ihrer vierzig Jahre währenden Zeit als Leiterin der Linzer Grünflächen bewiesen, dass die biologische Kreislaufwirtschaft funktioniert und obendrein kostengünstig umzusetzen ist.

Erster Bioverband Österreichs

Über den deutschen Gartenarchitekten Alwin Seifert fand Helga Wagner 1967 zur Arbeitsgruppe der organisch-biologisch wirtschaftenden Bauern, die in Österreich das erste biologische Gütesiegel ORBI einführte. ORBI, die Förderungsgemeinschaft für gesundes Bauerntum, ist der erste Bioverband Österreichs und Vorläufer von Bio Austria. Helga Wagner ist dem Verband nach wie vor tief verbunden.

Mit ihrem Engagement schaffte sie es auch immer wieder, zwischen unterschiedlichen Haltungen zu Fragen der Kompostierung und biologischen Bewirtschaftung zu vermitteln. "Wie im Leben muss man auch hier Lernprozesse machen und die Erfahrungen auf die jeweilige betriebliche Situation der Landwirte und Gärtner abstimmen. Das unter einem Hut zu bringen, ist nicht immer das Einfachste, aber es lohnt sich." Helga Wagner sitzt in der von der Sonne gewärmten Stube und lächelt. "Man muss für Verschiedenes offen sein." fügt die 94-Jährige hinzu.

Mit dieser verbindenden Haltung war Helga Wagner bei der Ausbildung von Bauern sehr geschätzt. Soweit es ihre Gesundheit heute erlaubt, ist sie nach wie vor aktiv. In ihren Vorträgen und Seminaren geht es ihr vor allem um das Denken und Wirtschaften in Kreisläufen, um die Bodengesundheit als Lebensgrundlage von Pflanzen, Tieren und Menschen.

Wichtige Rolle der Mikroorganismen

"Bei jedem Kurs werde ich von Landwirten auch zur EM-Technologie von Multikraft befragt. Ich antworte immer: probiert es aus. Mikroorganismen spielen für lebendige, gesunde Böden und Pflanzen eine bedeutende Rolle. Hans Peter Rusch hat in den 1950er Jahren schon erkannt, dass Bakterien und Symbionten für unsere Böden und für uns Menschen wichtig sind." Momentan arbeitet Helga Wagner daran, über Hundert Fachartikel des deutschen Arztes und Mikrobiologen für ein Buch aufzubereiten. Die Schriftstücke auf ihrem Arbeitstisch zeugen davon.

Darüber hinaus ist die hochbetagte Fachfrau schon seit den 1960er Jahren Mitglied der von ORBI initiierten Linzer Gartenrunde, die sich regelmäßig zu Vorträgen und Ausflügen trifft. "Besuchen Sie den Doblhoffpark in Baden bei Wien. Das ist ein auf acht Hektar angelegter, wunderschöner Rosenpark mit altem, gut gepflegtem Baumbestand." gerät Helga Wagner abschließend ins Schwärmen und es zeigt: Ihr ganzes Leben und Wirken ist der gärtnerischen Arbeit gewidmet.

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