Gartenfreuden - Inspiration und Tipps von Angelika Ertl

23.08.17 Gartenfreuden - Inspiration und Tipps von Angelika Ertl

"Natur und Gärten nähren die Seele. Es macht glücklich, das selbst gezogene Gemüse zu ernten oder im Garten einfach abzuschalten." meint die leidenschaftliche Bio-Gärtnerin und ORF Gartenexpertin Angelika Ertl-Marko und gibt Tipps für die Gartenplanung.

Angelika Ertl gibt Tipps zur Gartengestaltung

Wir genießen die milden Sommerabende. Wir holen Gemüse und Kräuter frisch aus den Beeten, kochen, grillen und essen mit der Familie oder in geselliger Runde. Unter freiem Himmel schmeckt es gleich noch viel besser. Wir wühlen in der Erde und schalten bei der Gartenarbeit so richtig ab. Oder wir ziehen uns gemütlich in eine lauschige Ecke zurück und entspannen uns. Garten, Terrasse und Balkon sind in den letzten Jahren zum zweiten Wohn- und Esszimmer geworden. Sobald die Temperaturen nach oben kraxeln, verlagert sich das Leben nach draußen. Dabei braucht es oft nicht viel, um sich ein schönes Gartenparadies anzulegen. Vielmehr kommt es darauf an, wie man mit den vorhandenen Bedingungen geschickt umgeht. Biogärtnerin und ORF-Gartenexpertin Angelika Ertl-Marko hat dazu einige Tipps parat.

Im Garten verwurzeln wir uns mit der Natur. Mit ihm ist die Sehnsucht nach Entspannung, Idylle und Glück aufs Engste verbunden. Das macht ihn zu einem so besonderen Freiraum. Er ist ein Rückzugsort, der den stressigen, hektischen Alltag für eine Weile fern hält. Er ist eine Wohlfühloase direkt vor der Haustür. "Der Garten ist der letzte Luxus unserer Tage, denn er fordert das, was in unserer Gesellschaft am seltensten und kostbarsten geworden ist: Zeit, Zuwendung und Raum." schrieb der Schweizer Garten- und Landschaftsarchitekt Dieter Kienast.

In Ziergärten werden wieder vermehrt Gemüsegärten integriert, denn für viele Menschen spielt heute auch die Selbstversorgung mit frischem Obst, Gemüse und Kräutern eine große Rolle. In der Nachkriegszeit war das Wissen darum noch weit verbreitet. Die Großeltern wussten, wie Gemüse selbst gezogen und geerntet, eingekocht und haltbar gemacht wird. Über die Jahre nahmen Gemüsegärten ab. Sie machten viel zu viel Arbeit, wo es doch die Lebensmittel bequem aus dem Supermarkt gibt. Das Pendel geht wieder zurück und Hochbeete, Gemüse- und Balkongärten boomen. "Es gibt bei vielen Menschen wieder eine starke Sehnsucht nach mehr Kontakt zur Natur. Wir wollen unseren Kindern auch zeigen, dass Karotten, Radieschen und Erdbeeren in der Erde und nicht im Supermarktregal wachsen. Das ist heute total attraktiv, weil uns gesunde Nahrung wieder wichtig ist. Natur und Gärten nähren die Seele. Es macht glücklich, das selbst gezogene Gemüse zu ernten oder im Garten einfach abzuschalten. Deshalb ist Garten mitunter so reizvoll." erzählt Angelika Ertl-Marko.

Garten mit Charakter

Jeder Garten hat seinen eigenen Charakter und spiegelt die Persönlichkeit des Menschen, der ihn anlegt. Ob Entspannungsinsel im Blumenmeer, wilder Naturgarten, coole Lounge mit Pool, üppiger Gemüsegarten oder verspielter Balkongarten - vom Stil her gibt es unzählige Möglichkeiten.

Und so wie wir Menschen muss auch der Garten keineswegs perfekt sein, improvisieren gehört ein Stück weit dazu und hat seinen eigenen Charme. Dennoch ist gute Planung von Anfang an wesentlich, um später nicht überfordert oder frustriert zu sein und um das eigene Gartenparadies wirklich genießen zu können.

Gute Planung

Bevor also mit der Gartengestaltung losgelegt wird, geht es darum, sich über die eigenen Bedürfnisse klar zu werden. "Manche brauchen große Flächen zum Spielen, andere möchten einen Schwimmteich. Wieder andere fühlen sich wohl, wenn sie sich in einem Dekogarten mit vielen Blumen befinden oder wenn Gemüse rundherum wächst. Wichtig ist, zu Beginn in sich hinein zu spüren: Wo zieht es mich hin? Wie möchte ich den Garten am häufigsten nutzen? Wie viel Zeit kann ich für die Pflege des Gartens aufbringen?" empfiehlt Angelika Ertl-Marko. Werden diese persönlichen Aspekte gleich zu Beginn berücksichtigt, bietet der Garten langfristig Freude und Erholung.

Hauptrolle in der Gartengestaltung spielen des weiteren natürlich die Faktoren Topografie, klimatische Bedingungen, Lage und Bodenbeschaffenheit. Wo kommt wann die Sonne hin? Wie ist die Beschattungssituation, wie sind die Windverhältnisse? "Wichtig ist, von Anfang an auf gute Böden zu achten. Wurde zum Beispiel der Humus beim Neubau abgetragen, pulvert man Gifte in den Boden und hat trotzdem keinen Erfolg. Gesunde Böden sind das Um und Auf." betont Angelika Ertl-Marko und fasst zusammen: "Es hilft bei der Planung, die eigenen Ideen zu Papier zu bringen, Schaugärten zu besuchen und sich bei Bedarf Unterstützung durch professionelle Gartengestalter zu holen."

Gemüsegarten

Gesunder, lebendiger Boden ist vor allem auch beim Anlegen eines Gemüsegartens das zentrale Thema. Darüber hinaus braucht Gemüse viel Licht und Sonne. Deshalb ist die hellste Lage im Garten dafür am besten geeignet. "Gartenplanung heißt vor allem auch Beetplanung und daher stellt sich zu Beginn eine der Basisfragen: Welches Beet passt zu mir?" schreibt Angelika Ertl in ihrem Buch "Jetzt haben wir den Salat".

Ein Klassiker ist das Bodenbeet in Mischkultur, das bei gesunden Böden und regem Bodenleben eine gute Ernte sichert. Eine Variante, die zur Zeit voll im Trend liegt, ist das Hochbeet. Es braucht zwar einiges an Vorbereitung, der Aufwand lohnt sich allerdings, wie Angelika Ertl-Marko bestätigt. Hochbeete bringen einige Vorteile mit sich. Schnecken und Wühlmäuse lassen sich besser kontrollieren. Die Bodenfruchtbarkeit ist hoch, weil man als oberste Schicht die beste Erde aufträgt. Damit erzielt man gute Ernteerträge. Obendrein ist es bequem zu bewirtschaften und schont den Rücken.

Kräutergarten

So wie frisches Gemüse erfreuen sich auch frische Kräuter aus dem eigenen Garten an großer Beliebtheit. Der Duft von mediterranen Kräutern wie Rosmarin, Oregano oder Lavendel  bringt Urlaubsfeeling vor die Haustür. Schön, wenn Schnittlauch, Petersilie, Minze oder Basilikum griffbereit auf Balkon oder Terrasse wachsen. Die sonnengereiften Kräuter brillieren in vielfältigen Geschmacksnuancen und ihre Inhaltsstoffe sind für unsere Gesundheit von unschätzbarem Wert.

"Der Eigenanbau von Kräutern ist sowohl im Beet als auch in Kisterln oder Töpfen ohne großen Aufwand möglich. Zu beachten sind jedoch die unterschiedlichen Bedürfnisse bezüglich Boden, Feuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und Nährstoffbedarf. Während mediterrane Kräuter karge Böden bevorzugen, brauchen Küchenkräuter wie Petersilie oder Schnittlauch mehr Nährstoffe. Fast alle Kulturkräuter haben ein Bedürfnis nach viel Licht und Wärme." so Angelika Ertl-Marko in ihrem Buch.

Genießbare Wildnis & Blüten

Ebenso wie Gewürz- und Heilkräuter galten Wildkräuter jahrtausendelang als Nahrung und Medizin. Jedoch: Löwenzahn, Spitzwegerich, Giersch, Gundelrebe oder Gänseblümchen waren viele Jahre in Gärten ungern gesehen. Essen statt ärgern - so lautet heute die Devise. Anstatt sie also als Unkraut zu jäten werden sie wieder geschätzt. Wildkräuter stecken voller Gerb- und Bitterstoffe, die unsere Darmflora pflegen. Sie enthalten wertvolle Mineralstoffe und Vitamine und schenken unserer Gesundheit kostbare Vitalstoffe.  Wildkräuter passen gut in Salate, Suppen, Pestos und Smoothies. Essbare Blüten sind ebenfalls auf dem Speiseplan angekommen.

Malven, Rosen und Kapuzinerkresse sind nicht nur im Garten und auf dem Teller dekorativ sondern auch schmackhaft und gesund. Sie eignen sich wunderbar für Blütenzucker, Suppen, Salate und Aufstriche.

Kräuter und Blüten bereiten für uns in der Küche wie auch schon im Garten ein Fest der Sinne. Da ein paar duftende Kräutertöpfe und dort farbenfrohe Blühpflanzen, es braucht nicht viel Platz, um unsere Sinne zu wecken.

Kleines Paradies

Ob ein Garten harmonisch wirkt, ist jedenfalls keine Frage der Größe. Bereits auf wenigen Quadratmetern kann ein kleines Paradies entstehen, wenn man es bewusst anlegt. Selbst auf winzigsten Refugien lassen sich Gartenträume verwirklichen und auch hier gibt es wieder unzählige Möglichkeiten der Gestaltung. Angelika Ertl-Marko: "Bei größeren Gärten kann ich unterschiedliche Gartenräume anlegen. Die Kunst bei kleinen Gärten besteht darin, die vorhandene Fläche gut zu strukturieren, indem ich mich zum Beispiel für ein Thema entscheide. Das kann ein idyllisches Plätzchen zum Verweilen sein, ein Gräser- oder Rosengarten oder ein Gemüsegarten mit ein bisschen Blumendekoration."

Kleinere Gartenräume lassen sich gut nutzen, indem man in die Höhe geht und mehrere Etagen anlegt. Ein erhöhtes Wasserbecken oder Rankgerüste wie Pergolen oder Bögen, die von Kletterpflanzen umwachsen werden, sorgen für Großzügigkeit auf kleinem Raum. In Blumenampeln und Hängekörbe passen zum Beispiel Köstlichkeiten wie Erdbeeren und Salate. Gerade für leidenschaftliche Stadtgärtner auf Balkonen gibt es eine Menge einfacher, origineller und charmanter Ideen.

Angelika Ertl-Marko ist begeistert:  "In der Gartengestaltung ist so viel möglich. Junge Leute mit nicht so dicker Geldtasche machen mit ganz viel Kreativität ganz coole Sachen." Ob Balkon oder Terrasse, ob weitläufiger oder kleinräumiger Garten - wir können unserer Sehnsucht nach Nähe zur Natur vielerlei Ausdruck verleihen. Es gilt dabei, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und mit den vorhandenen Bedingungen geschickt umzugehen. So lassen sich Potential und Qualität des Gartens am besten zum Vorschein bringen. Dem Erfindungsreichtum sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Multikraft verwendet Cookies, um Ihren Website-Besuch für Sie so angenehm wie möglich zu gestalten. Mit der Nutzung der Website erklären Sie sich damit einverstanden. mehr erfahren
Ich stimme zu!