Eigene Ernte: Im Gespräch mit Ute Goess und Stefan Widowitz

21.09.21 Eigene Ernte: Im Gespräch mit Ute Goess und Stefan Widowitz

In Kärnten südöstlich von Klagenfurt liegt das Barockschloss Ebenthal. Hier leben DI Leopold Goess und Mag. Ute Goess mit ihren fünf Kindern. Rund um das Schloss hat Familie Goess begonnen, Landwirtschaft im Kleinen zu betreiben. Es werden Gemüse, Obstbäume, Beerensträucher, Kartoffeln sowie Getreide kultiviert und auch Legehühner sind mit dabei. Darüber hinaus gibt es noch eine große verpachtete Landwirtschaft.

Frau Mag. Goess, in Ihrem Bewusstsein ist ökologisches Denken tief verankert. Was sind Ihre Beweggründe dafür?

Vor drei Jahren haben wir begonnen, innerhalb des Schlossparks einen Versuchsgarten anzulegen. Angeregt durch Gespräche mit Jutta und Stefan Widowitz war ich so begeistert von der Idee der Dammkultur, dass wir nach einem Seminar in Niederösterreich den Beschluss gefasst haben, das selber – natürlich vorerst im Kleinen – auszuprobieren. Wir sind immer noch begeisterte Anhänger der Dammkultur.

Warum ist Ihnen die Selbstversorgung mit eigenem Obst, Gemüse und Getreide ein Bedürfnis?

Die Qualität der Lebensmittel, auch der biologischen, hat leider in den letzten Jahren dramatisch abgenommen. Das ist wohl kein Wunder, da die Böden immer mehr auslaugen und zunehmend belastet werden. Da wir fünf Kinder haben und dadurch Kontakt zu vielen anderen Kindern und Jugendlichen, ist mir sehr bald aufgefallen, wie sich die Essgewohnheiten der Kinder heute verändert haben. Die Kinder essen kaum noch Gemüse und kennen oft auch außer Erbsen und Karotten nichts anderes mehr.

Ich habe mich im Laufe meines Lebens mit vielen Dingen beschäftigt, habe ja Jus und Kunstgeschichte studiert und bin letztendlich zur Überzeugung gelangt, dass die Ernährung und der Bezug zur Natur eines der wichtigsten Dinge ist, die man seinen Kindern mitgeben sollte. Das ist es natürlich nicht allein, aber ein sehr, sehr wichtiger Teil.

 

Bei der Gartenarbeit abschalten oder im Garten einfach die Seele baumeln lassen, bei ausgiebigen Spaziergängen Kraft und Zuversicht finden – die gesundheitsfördernde Wirkung der Natur ist vielfach sogar medizinisch nachgewiesen. Was gibt Ihnen der eigene Garten und die Natur?

Wichtige Gründe für das Versuchsfeld waren zum einen Neugier, zum anderen das Bedürfnis, qualitativ hochwertige Nahrungsmittel für uns und unsere Familie im weiteren Sinn herzustellen. Die wunderbare Befriedigung, wenn etwas wächst und gedeiht, haben wir dann natürlich noch als Draufgabe erhalten. Es macht einfach glücklich!

Es war auch für meine Kinder eine gute Erfahrung, wie viel Arbeit in so einem Gemüsefeld steckt. Dadurch wächst die Achtsamkeit für alle Lebensmittel.

Jutta und Stefan Widowitz haben dabei geholfen, für Schloss Ebenthal und die Familie Goess einen Obst-,  Gemüse- und Beerengarten anzulegen. Selber bewirtschaften sie in Ebenthal am Wörthersee eine rund vier Hektar große Landwirtschaft, bauen ebenfalls verschiedene Getreidesorten und Gemüse an und halten Hühner, Zwergziegen und Puten. In ihrem „Naturgarten Anderwelt“ achten Jutta und Stefan Widowitz auf Biodiversität, auf die Einhaltung der Fruchtfolge und Kreislaufwirtschaft. Mit naturnahen Methoden arbeiten sie ganz im Einklang mit der Natur. Stefan Widowitz gibt einen Einblick.

Herr Widowitz, Sie arbeiten mit dem System der Dammkulturen und mit dem Turielpflug. Dabei werden Erdschichten nicht stark umgedreht und mit dem Häufelpflug lockere Dämme gezogen. Was sind die Vorteile davon?

Wir sind immer wieder auf der Suche nach unkonventionellen Methoden und die Dammkulturen sowie der Turielpflug haben mich sofort angesprochen. Wir arbeiten damit im dritten Jahr bei Gemüse und seit vorigem Jahr zum ersten Mal bei Getreide, Mais, Hirse und Buchweizen. 

Zu den Vorteilen zählt der bessere Sauerstoff- und CO2-Austausch, weil durch den Damm ein Kleinklima mit unterschiedlichen Temperaturen entsteht. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Böden nicht verdichtet werden. Die Dämme haben eine Kapillarwirkung, wodurch Wasser direkt zu den Wurzeln gelangt und nicht an der Oberfläche verdunstet.

Mit jedem Hackvorgang macht man die Flanken der Dämme schön krümelig, und mit den gehackten Beikräutern werden automatisch Mulchschichten aufgetragen, die zur optimalen Feuchtigkeit und Nährstoffversorgung beitragen.

 
Sie arbeiten mit Blühstreifen und Nützlingen und setzen das Multikraft-System zur Pflanzenstärkung ein. Wie wenden Sie es an?

Das Beizen von Saatgut verkürzt die Keimdauer und erhöht die Keimfähigkeit. Wir beizen unser Saatgut für Getreide und Gemüse, indem wir es zuerst mit EM Aktiv (EMa) besprühen und dann mit EM Keramikpulver und Biolit Urgesteinsmehl bestreuen. Kartoffeln zum Beispiel lassen wir mit dieser Schicht gut trocknen. Sie keimen sehr schön und sind dann fertig zum Setzen. Es kommt zu keinen Fäulnisprozessen und bei der Ernte sieht man oft die unversehrte, kompakte Mutterknolle noch. 

Zur Pflanzenstärkung werden sämtliche Setzlinge mit einer 3 % EM Aktiv (EMa)-Mischung bewässert und besprüht. Mit der Sprühlanze besprühen wir übrigens auch die Kotkisten im Hühnerstall regelmäßig. Das bewirkt, dass keine Ausgasung und somit Geruchsbildung stattfindet, und der Kompost wird dadurch wirklich hochwertig.

 
Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Beizen von Saatgut und der Pflanzenstärkung gemacht?

Wir arbeiten schon fast zehn Jahre mit den regenerativen Mikroorganismen und dem EM-Keramikpulver zur Saatgutbeizung. Wir sind es schon so gewöhnt, dass es sehr gut funktioniert. Die Saaten gehen gleichmäßiger auf und bei den Kulturen hat man weniger Ausfälle. 

 
Warum haben Sie sich für die Pflanzenstärkung mit dem Multikraft-System entschieden?

Für mich sind Vertrauen und Wissen ausschlaggebend, dass Wachstum ohne chemische Zusätze funktioniert. Mit der praktischen Erfahrung eignet man sich ganz viel Wissen an. Arbeitet man mit mineralischen Düngemitteln und synthetischen Spritzmitteln, lebt man eigentlich in einer ganz anderen Welt, in der die Natur nachhaltig geschädigt wird. Mit Effektiven Mikroorganismen haben wir einen ganz neuen Weg eingeschlagen. Man arbeitet viel mehr mit der Natur. 

 

Sie haben als EM-Partner gearbeitet und bei EM-Stammtischen viel Wissen weitergegeben und Vorführungen mit dem Bokashi-Kübel gemacht. Darin werden Küchenabfälle mit Effektiven Mikroorganismen fermentiert und zu wertvollem Dünger. Worauf ist speziell zu achten? 

Wir machen Bokashi seit rund zehn Jahren aus Küchenabfällen und auch aus Getreideausputz, Pferde- und Hühnermist. Für Pferde- und Hühnermist werden Mieten angelegt und abgedeckt.

Für den Bokashikübel sammelt man Küchenabfälle zusammen und befüllt ihn damit. Wichtig sind die Feuchtigkeit und das Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis, damit es gut funktioniert. Es ist also darauf zu achten, nicht ausschließlich zum Beispiel Zwiebelabfälle zu verwenden, das wäre zu einseitig. Es braucht eine Vielfalt an Abfällen, die gut durchmischt werden. Dann gebe ich Trockenbokashi darauf, sprühe mit EM Aktiv (EMa), verdichte alles und decke die Schicht mit Kohle ab. An der Kohle sehe ich wunderbar den Fermentationsschimmel, der ein eindeutiges Zeichen dafür ist, dass das Bokashi voll fermentiert ist. 

 
Wie verwenden Sie das Bokashi?

Der Bokashisaft wird stark verdünnt zum Angießen von Pflanzen verwendet. Das Bokashimaterial gebe ich in eine Scheibtruhe, vermische es mit Biolit Urgesteinsmehl und Gartenerde und fülle das Ganze in einen großen
Blumentopf, den ich an einer schattigen Stelle im Garten umstülpe. Dort lasse ich das Material mindestens vierzehn Tage neutralisieren. So nimmt es den pH-Gehalt vom Boden an, und erst dann wird es zu den Pflanzen gegeben und leicht in die Erde eingearbeitet. 

 
Welche Veränderungen stellen Sie durch das Ausbringen von Bokashi fest?

Bald nach der Ausbringung sieht man bei den Pflanzen einen Wachstumsschub, weil Bokashi eine sehr gute Düngewirkung hat. Darüber hinaus wird der Boden dauerhaft besser und auch leichter zu bearbeiten. Wir
stellen fest, dass der Geschmack des Gemüses viel intensiver wird. Wir sind Selbstversorger, und so hat man viel mehr Freude mit der Ernte.

 
Für viele Menschen ist die Arbeit im Garten eine Wohltat für Körper, Geist und Seele. Sie gibt Stabilität und Zuversicht. Was bedeutet Ihnen die gärtnerische Arbeit?

Für mich ist die Arbeit mit der Natur ein Ausdruck von Kreativität, weil ich viele Ideen einbringen kann, wie ich etwas gestalte und erarbeite. 

Die Verbundenheit zu den Jahreszeiten ist mir wichtig. Etwas wachsen und reifen zu sehen, es mit Familie und Freunden geschmackvoll zuzubereiten und zu genießen, ist in Zeiten wie diesen ein besonderer Luxus. Zu wissen, dass alles natürlich gewachsen ist, macht die Lebensmittel einzigartig. Trotz aller Mühen und Plagen, die man oft auch hat, ist es für mich eine erfüllende Arbeit.

Multikraft verwendet Cookies, um Ihren Website-Besuch für Sie so angenehm wie möglich zu gestalten. Mit der Nutzung der Website erklären Sie sich damit einverstanden. mehr erfahren
Ich stimme zu!