Der Garten, ein Paradies - Schriftsteller Alois Brandstetter erzählt

10.03.16 Der Garten, ein Paradies - Schriftsteller Alois Brandstetter erzählt

Ein Paradies!, sagen manche meiner Besucher, wenn sie auf meinen Garten schauen, der eigentlich der Garten meiner Frau ist, die die eigentliche Gärtnerin ist, während ich mich allenfalls als Gartengehilfe bezeichnen darf.

Mein Garten, der Garten meiner Frau

Multikosmos Ausgabe 00018

Ich trage oder befördere halt mit einer Karre oder einer Scheibtruhe („Schiebetruhe“ nennt es der Baumarkt…) die schweren Töpfe von A nach B, aus dem Winterquartier ins Freie, mähe den Rasen und kämpfe mit einem Spritzmittel Xentari und  einer sogenannten Pheromonfalle, einem laternenartigen Gegenstand, gegen den Zünsler, einen Schädling, der uns neuerdings unsere Buchsbaumhecke verzehren will. Pheromonen sind sexuelle Reiz- und Lockstoffe, die auf Männchen unwiderstehlich wirken sollen. Mit Speck fängt man Mäuse… Natürlich ist „Paradies“ eine liebenswürdige Übertreibung für unseren Garten, wie könnte ein Grundstück von 1000 Quadratmetern, auf dem außerdem noch ein Einfamilienhaus steht und ein Drittel der übrigen Fläche von einem Schwimmbad, einem „Swimmingpool“, eingenommen wird, dem Garten Eden gleichen! Möchte man aber beim Vergleich bleiben, dann befindet sich in der Mitte unseres Paradieses auch ein „Baum der Erkenntnis“, kein Apfel- freilich, sondern ein Nußbaum, der harmlos und bescheiden begonnen hat, als wir ihn vor 30 Jahren pflanzten, nun aber raumgreifend und wuchernd das ganze Areal in Besitz und Beschlag nehmen würde, wenn wir ihn nicht alle zwei Jahre zurückstutzen ließen. Seine Früchte sind (deshalb?) oft ungenießbar, aber unbezahlbar ist der Schatten, den er auf unseren Sitzplatz und auf die Liegestühle wirft, weil er ja bekanntlich Ungeziefer fernhält…Manche Vögel, nicht nur Tauben und Elstern frequentieren ihn und senden uns einen Gruß aus der Höhe…Der sozusagen ehrwürdigste Baum auf unserem Gelände ist freilich der bereits biblisch belegte Amberbaum mit seiner atemberaubenden, glühenden Herbstlaubfärbung. Da wir neuerdings nicht nur einen Garten, sondern auch einen Wintergarten besitzen, den wir über der alten Terrasse an der Südseite anbringen ließen,

schauen wir mit großer Genugtuung von dort auf das muntere Treiben von Spatzen, Meisen und Rotkehlchen um die Futterplätze und Nistkästen, auf das baumelnde Ohrwurmhäuschen, und auch auf das sogenannte „Insektenhotel“, einen Eigenbau, ein Geschenk zum 35.Hochzeitstag für meine Frau… Das Fernrohr, der „Feldstecher“, liegt immer bereit…Die Lieblingssendungen meiner Frau sind übrigens die Gartensendungen des Fernsehens, Karl Plobergers „Natur im Garten“, „Grünzeug“ „Hessens schönste Gärten“ und wie sie alle heißen. Vor allem „Querbeet“. Der Fachfrau, der Pharmazeutin, der leider kürzlich verstorbenen Christa Habrich bin ich bei einem Kongreß in Genf auch einmal persönlich begegnet und ich habe von ihrem enormen Wissen bei meinen Recherchen zu dem Roman „Der geborene Gärtner“ viel profitiert. Sie war ja auch Germanistin und hat mir viel Wissenswertes über den „Hortulus“ des Walahfrid Strabo und die Klostergärten der Reichenau und von St. Gallen mitgeteilt, was ich dann in meinem Roman eindrucksvoll „anbringen“ konnte. Warum von Strabo etwa empfohlen wird, Rosen und Rettich in unmittelbarer Nachbarschaft zu ziehen… Frau DrDr.Habrich hat damals eine Ausstellung in Ingolstadt zu Carl Spitzweg vorbereitet, zu Spitzweg, der auch Apotheker war und mit einem stupenden naturwissenschaftlichen Interesse kleinste, botanisch identifizierbare Gräser und Blümchen wie unter der Lupe dargestellt hat. Ja, Gärten sind wahrlich ein unerschöpfliches Thema…Sie sind ja nicht nur „Schauraum“, sondern Lebensraum für viele Tiere, „Duftraum“ von vielerlei Gerüchen, Flieder und Jasmin, Rosen, Levkojen, Hyazinthen und Pfingstrosen und Mohn…

Neben jenem Teil unseres Gartens, den man vielleicht ein wenig hochtrabend als „Lustgarten“ oder „Ziergarten“ bezeichnen könnte, ja einen „Locus amoenus“ mit einer Steinbank (aus China!) und zwei Sitzplätzen und unterschiedlichen „Gartenräumen“ haben wir auch einen bescheidenen Nutzgarten,

 

einen kleinen „Prägarten“, wie die Bauerngärten in der Gegend der großen Stifte in Oberösterreich heißen, abgesondert angelegt, mit einem Hochbeet und kleinen Sektoren für Schnittlauch, Petersilie, Liebstöckl und Thymian, Zwiebel, Knoblauch, Radieschen , Ribíseln, Erd- und Stachelbeeren. Himbeeren und Brombeeren…

 

Jeder schöne Garten hat auch eine Rückseite, einen versteckten und ein wenig verborgenen Hinterhof, wo das verwelkte und abgestorbene Material, der Rasenschnitt und die dürren Äste zwischen- oder endgelagert werden, bis sie die Müllabfuhr holt, wenn man keinen eigenen Ehrgeiz hat zur Kompostierung des Erdreichs. Meiner hält sich zwar in Grenzen, aber drei größere Behälter „bewirtschafte“ ich immerhin.

Und neuerdings erzeuge ich, belehrt von Frau Mag. Ulrike Hader, der Inhaberin der Firma „Multikraft“ aus meiner Herkunftgemeinde Pichl bei Wels, der Erzeugerin der EM-Produkte („Effektive Mikroorganismen“) einen eigenen „natürlichen Kunstdünger“, der auf den japanischen Namen Bokashi hört… Dort hinten, in „meinem Reich“ befindet sich auch der Geräteschuppen und ein Lagerplatz für Rinden- und Lavamulch- und Blumenerdevorräte  aus dem Baumarkt. Anfangs  war ich, was etwa Küchenabfälle betrifft, ein wenig sorglos, nun aber nehme ich es mit der „Mülltrennung“ sehr genau und dulde hier im Humussektor keine „abgelaufenen“ Viktualien, für die sich etwa auch Ratten interessieren könnten. Nur Würmer sind hier willkommen. Schnecken sicher nicht! Die Würmer arbeiten und wühlen sich unermüdlich durch die Erdhaufen und verwandeln sie in butterweichen Humus... Im nicht einsehbaren Teil des Gartens müssen schließlich auch die Werkzeuge gelagert werden, und auch ein gewisses Quantum Chemie, etwa Schneckenkorn, ohne das auch kein noch so bewußter Bio-Gärtner auskommt. Ganz ungiftig ist ja auch die Natur selbst im Ziergaten nicht. Dort blühen etwa der hübsche Fingerhut (Digitalis) und der Eisenhut (Aconitum). Es ist also Vorsicht geboten und es gilt, brav den Anweisungen der Gärtnerin zu folgen…  

Da Bokashi (EM-Kompost) auf dem Fermentationsprinzip basiert, muss bei kleinen Kompostmieten oder -behältern auf eine luftdichte Abdeckung geachtet werden. Mit einer hellen Kompostierfolie (Temperaturentwicklung) erreicht man eine anaerobe Fermentation des gesamten Materials.

Pro m³ möglichst klein gehäckseltes organisches Material:
1 L EM Aktiv (EMa), 1 L Zuckerrohrmelasse (abhängig vom Energiegehalt des Materials, z. B. nicht notwendig bei nur biogenen Abfällen; jedoch einzusetzen bei reinem Strauch- und Grünschnitt), 8 L Wasser (abhängig vom Ausgangsmaterial: 35 – 40 % Feuchtigkeit im Endprodukt), 4 kg Urgesteinsmehl (ZeoBas)

Bei sehr feuchtem organischen Material: Wasser reduzieren bzw. weglassen
Bei sehr energiereichem Material: Melasse reduzieren bzw. weglassen

Der angenehm säuerlich riechende Inhalt wird in die Erde eingebracht. Nach 2 – 4 Wochen vererdet das Bokashi und bildet einen überaus nährstoffreichen Boden für Blumen und Pflanzen. Aufgrund des sauren pH-Wertes von frischem Bokashi erst 2 Wochen nach Ausbringen pflanzen oder säen!

Alternativ: Bokashi mind. 30 – 40 cm von den Pflanzen entfernt eingraben.

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